Filmkritiken

MODERNE PAARBEZIEHUNG ZWISCHEN ROUTINE UND SELBSTBEFREIUNG

Pärchenurlaub mit dem eigenen Langzeitfreund. Das gemeinsame Kind ist bei der Oma geblieben. Endlich wieder einmal ein paar Tage nur zu zweit sein können. Herrlich.

Dass der geplante Traumurlaub die Beziehung oft nicht stärkt, sondern, im Gegenteil, womöglich sogar auseinanderreißt, zählt zu den beliebten Topoi des (deutschen) Kinos. Man denke nur an Maren Ades Arthouse-Hit „Alle anderen“, in dem Birgit Minichmayr unter heißer Sonne effektvoll in die Beziehungskrise gerät.

Auch das deutsch-dänische Paar Nina und Ben steuert zuerst optimistisch das Traumziel auf der balearischen Insel Formentera an. Man zieht in das Haus deutscher Hippies ein und hat sogleich Familienanschluss.

Nicht immer zum Vorteil. Vor allem der sich anbahnende Flirt mit einer hübschen Hausbewohnerin bringt die Beziehung ins Schwelen. Bei einer meisterlich gefilmten, exzessiven Strandparty spürt Nina schmerzhaft – hervorragend herb von Sabine Timoteo gespielt – , dass die ekstatischen Tanzbewegungen ihres Freundes nicht unbedingt von ihr inspiriert sind.

Die nachfolgenden Ereignisse bringen das gesamte Beziehungshaus ins Wanken und fördern deprimierende Eingeständnisse zutage („Unser Berliner Leben kotzt mich an.“)

Der deutschten Regisseurin Ann-Kristin Reyles gelang mit ihrem zweiten Spielfilm ein mit wenigen Strichen hingetupftes, angenehm sprödes Porträt eines modernen Paares im Kampf zwischen Routine und Selbstbefreiung. Reyles’ Film vermeidet, trotz überhapstem Ende, das Klischee, stellt Fragen nach der Sehnsucht und akzeptiert, dass es manchmal darauf einfach keine glücklichen Antworten gibt.

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