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"Marty Supreme": Erzählt der Chalamet-Film eine wahre Geschichte?

Wenn Timothée Chalamet zum Tischtennisschläger greift und dabei gute Chancen hat, sich seinen ersten Oscar zu erspielen, muss es sich schon um einen ganz besonderen Film handeln. Tatsächlich erzählt "Marty Supreme" - das erste Solowerk von Josh Safdie ("Good Time", "Der schwarze Diamant") - die Geschichte eines außergewöhnlichen Charakters aus dem New York der 50er-Jahre. Man würde sofort glauben, dass dieser Schuhverkäufer Marty mit seinem Durchsetzungswillen, zum Weltmeister im Tischtennis zu werden, auf einem wahren Charakter basiert. Doch ist "Marty Supreme" tatsächlich ein Biopic? Diese Frage wollen wir hier für euch beantworten.

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Vorbild Marty Reisman 

In der Tat wurde "Marty Supreme" lose von einer wahren Geschichte inspiriert. Die Hauptfigur Marty Mauser basiert auf dem realen US-amerikanischen Tischtennis-Champion und Lebemann Marty Reisman (1930–2012). Er war eine Legende im Tischtennis, wegen seiner hageren Statur als „The Needle“ bekannt und galt als einer der größten "Hustler" des Sports, der oft um hohe Geldbeträge spielte. Er gewann 22 große Titel und blieb auch für seine exzentrische Art und sein modisches Auftreten in Erinnerung.

Marty Reisman war also zweifellos eine schillernde Persönlichkeit, daher ist es naheliegend, ein Biopic über ihn zu drehen. Doch wer sich diesen Film mit der Absicht ansieht, mehr über den Tischtennis-Star aus den 50er-Jahren zu erfahren, sollte besser Vorsicht walten lassen, denn Filmemacher Josh Safdie liefert keineswegs eine wahrheitsgetreue Rekonstruktion von Reismans Lebensweg. Er und sein Ko-Drehbuchautor Ronald Bronstein haben sich vielmehr durch einige Fakten zu einer fiktiven Story inspirieren lassen. Sie nutzten Reismans Leben und dessen Autobiografie "The Money Player" eher als kreatives Sprungbrett für eine stilisierte, oft surreale Komödie.

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Historische Details in "Marty Supreme" 

Der Film fängt das New York der 1950er und die damalige Untergrund-Kultur des Tischtennis ein. Viele der im Film gezeigten kuriosen Wetten und die fanatische Hingabe zum "Hardba"“-Stil (Tischtennis mit klassischen Schlägern ohne dicken Schwamm) spiegeln Reismans echte Überzeugungen wider. Josh Safdie war bereits als Kind von Tischtennis fasziniert und hörte von seinem Onkel Geschichten über die exzentrischen Außenseiter, die sich diesem Spiel in New York in den 1940er und 50er-Jahren verschrieben hatten. 

Eines Tages stieß Safdies Frau in einem Secondhandladen auf ein Buch des New Yorker Tischtennis-Wunderkinds Marty Reisman. Als Safdie es aufschlug, eröffnete sich ihm eine Welt, die weitaus merkwürdiger und interessanter war, als er sie sich vorgestellt hatte. "Weil Tischtennis kein Ansehen genoss, zog es automatisch die Eigenwilligen und Besessenen an,“ merkt Safdie im Presseheft an. „Als ich las, dass Tischtennis in Großbritannien und Europa ganze Stadien füllte, wurde mir klar: Es war absolut plausibel, dass ein Junge im Jahr 1952 davon träumen konnte, mit diesem Sport berühmt zu werden."

Und er fährt fort: "Der amerikanische Traum ist eine mächtige Erzählung – und nach dem Krieg wurde das große Träumen selbst zu einem internationalen Phänomen. Marty verkörpert die Selbstsicherheit, den Übermut und den Ehrgeiz, den Amerika in dieser Zeit ausstrahlte." Doch der Weg zu Martys Traum – wie der seines Landes – ist gepflastert mit Selbsttäuschung.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Die Filmfigur des Marty Mauser ist eine überspitzte, fiktive Version von Marty Reisman, die dessen schillernde Persönlichkeit und seine Karriere als "Ping-Pong-Hustler" feiert.

"Marty Supreme" ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!