News

Vienna Shorts 2026: Eyes Wide Open ist angesagt

Die Festivalausgabe von Vienna Shorts startet 2026 nach 15 Jahren erstmals unter neuer Leitung. Am 26. Mai eröffnet die 23. Ausgabe des internationalen Kurzfilmfestivals und widmet sich bis 31. Mai in einem reichhaltigen Programm besonders den vielschichtigen Bedeutungen von Aufmerksamkeit. Als Spielorte dienen das Stadtkino im Künstlerhaus, das METRO Kinokulturhaus, das Filmmuseum, das Gartenbaukino und das mumok kino. Festivalzentrale ist erneut das MuseumsQuartier Wien.

Wir haben an den neuen  Festivalleiter Max Bergmann folgende Fragen:

Alle Inhalte anzeigen Alle Inhalte anzeigen

film.at: Hallo, Max, zunächst sage ich einmal "Herzlich willkommen". Du hast heuer als Daniel Ebners Nachfolger die Leitung von Vienna Shorts neu übernommen. Bist Du sehr aufgeregt und wie kam es zu diesem Wechsel?

Max Bergmann: Danke sehr! Daniel hat Vienna Shorts mitgegründet und war über 20 Jahre maßgeblich beteiligt, viele Jahre auch in der Leitung. Da er dem Festival in anderen Funktionen erhalten geblieben ist, hat sich der Wechsel organisch gestaltet, samt internem Übergabeprozess und Vorbereitungszeit. Ich habe die letzte Ausgabe schon an Daniels Seite mitgestaltet, was uns beiden als Übergang enorm wichtig war. Trotzdem spüre ich natürlich die Aufregung: Die neue Position ist eine andere Rolle und es ist eine Freude, die Ausgabe gemeinsam mit meiner Co-Leitung Karin Ginzel und dem Team zu gestalten.

Wie würdest Du Vienna Shorts so kurz wie möglich beschreiben?

Wunderbare Tage voller Kurzfilme aus der ganzen Welt: von Dokumentar-, Experimental- und narrativen Filmen bis hin zu Musikvideos, inkl. internationalen und nationalen Wettbewerben, Kinder- und Jugendkino, Specials und Live-Events.

Wirst Du die Ausrichtung des Festivals in irgendeiner Form neu positionieren?

Das Festival steht aus meiner Sicht auf einer sehr starken Basis, sodass ich nicht vorhabe, es komplett in neue Richtungen zu drehen. Stattdessen möchte ich auf vorhandenen Stärken aufbauen, wozu ich z.B. die internationale Anerkennung und Ausrichtung oder die Kooperationen und Vernetzung in der Stadt zähle. Mittelfristig möchte ich etwa die Publikums- und Communityarbeit über unsere angestammten Zielgruppen und die inneren Bezirke hinaus erweitern. Ebenso liegen mir internationale Kooperationen am Herzen, auch außerhalb Europas, wo wir schon sehr gut aufgestellt sind.

Alle Inhalte anzeigen

Du bist ja schon seit 2021 an der Programmgestaltung des Festivals maßgeblich beteiligt. Hast Du in Deiner neuen Funktion nun diese Aufgabe beibehalten oder nehmen Dich jetzt andere Anforderungen zu sehr in Beschlag?

Die Programmgestaltung bleibt eine der Hauptaufgaben, aber es sind natürlich viele weitere Dinge dazu gekommen. Das Einfinden und Suchen einer Balance war eine der Herausforderungen dieses Jahres und dieser Prozess ist auch noch nicht abgeschlossen, wird er vielleicht auch nie sein. Die enge Zusammenarbeit mit den Abteilungen ist jedoch sehr bereichernd und einer der schönsten Teile meines neuen Jobs.

Das Festival-Motto lautet diesmal "Eyes Wide Open". Da denkt man natürlich unweigerlich an Kubricks "Eyes Wide Shut". Was soll der heurige Titel eigentlich ausdrücken? 

Der diesjährige Fokus dreht sich um Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeitsökonomie und filmische Übersetzungen davon. Das Motto spielt auf verschiedene Facetten an, einerseits die Augen zu öffnen und aufmerksam zu bleiben, zum Beispiel bei Verschiebungen im politischen Diskurs oder den Entwicklungen zu KI und Social Media. Andererseits ist Aufmerksamkeit auch ein zentraler Punkt des Kinos an sich: Welche filmischen Strategien zur Aufmerksamkeit gibt es und wie wird erzählerisch damit umgegangen? Nicht zuletzt geht es in einem der Programme auch um die Aufmerksamkeit füreinander, dass wir uns angesichts der politischen und technologischen Situation nicht aus den Augen verlieren.

Die Anspielung auf Eyes Wide Shut hat mir aber auch gefallen, als Zeichen einer vergangenen Kino-Ära, in der Aufmerksamkeit ganz anders funktioniert hat, im Bezug zur Traumlogik und unzuverlässigen Erzählung des Films, und natürlich in der Verbindung zu Wien durch die literarische Vorlage der Traumnovelle.

Alle Inhalte anzeigen

Welche besonderen Programm-Schmankerl würdest Du hervorheben?

Wir haben ein volles Programm vor uns, aber besonders freue ich mich auf die beiden Porträts dieses Jahr: Einmal Viktoria Schmid, die 2023 den Österreich Wettbewerb gewonnen hat und in ihren Filmen immer wieder mit analogem Material arbeitet, zuletzt in wunderschönen Farbexperimenten. Zweitens Onyeka Igwe, eine britische Filmemacherin, die sich mit der Kolonialgeschichte Großbritanniens, insbesondere in Nigeria, auseinandersetzt. Ihre Filme werden anhand von Archivmaterial, Performance-Elementen und starkem Sound Design zu vielschichtigen, berührenden Reflexionen der Vergangenheit und Gegenwart.

Dazu kommt vieles andere: spannende audiovisuelle Live-Performances von Luis Macias und dem Berliner Duo INTER_SECTION, unsere Schiene Current Comments mit Kommentaren zur Gegenwart oder die Late Night Programme mit Genre-Kino von Erotik bis Comedy.

Wenn man sich alle 2026 gezeigten Filme hintereinander ansieht – wie lange würde das dauern?

Wir zeigen ca. 350 Kurzfilme, das sind insgesamt über 60 Stunden Filmzeit und ein großartiger Querschnitt des Kurzfilmschaffens.

Hast Du wirklich alle davon gesehen oder hebst Du Dir ein paar für später auf, um Dich beim Festival selber noch überraschen zu lassen?

Ich habe den Großteil der Filme gesehen, aber besonders bei den eingeladenen Programmen, wie beispielsweise vom Sarajevo Film Festival oder dem Forschungsprojekt Queer Cinema Austria 1906-2026 waren durch die Expertise der Kurator:innen auch die ein oder andere Überraschung dabei, was dann besonders Spaß macht.

Alle Inhalte anzeigen

Setzt ihr auf die bewährten Locations oder kommen auch neue hinzu?

Wir sind sehr froh, dass wir in unseren angestammten Locations bleiben konnten, darunter das Stadtkino, das METRO Kinokulturhaus, das Filmmuseum oder das Gartenbaukino für die Eröffnung. Auch das mumok kino, das letztes Jahr hinzugekommen ist, können wir heuer wieder bespielen, was aufgrund unserer Festivalzentrale, dem Kino-Truck und den Open Air Screenings im MuseumsQuartier weiterhin perfekt passt. Neben der VHS in der Urania ist die Universität für angewandte Kunst ein neuer Partner für die Branchenveranstaltungen und Live-Performances, was uns als Anbindung an junge Filmschaffende und Studierende besonders freut.

Wird der Eintrittspreis noch immer nach dem "Pay-As-You-Can"-Prinzip geregelt?

Ja, die erhöhte Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit des Festivals durch die Wahl des Ticketpreises ist uns weiterhin äußerst wichtig. Der Erfolg im letzten Jahr mit mehr Ticketverkäufen und sehr guter Annahme des Konzepts hat uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Hinzu kommen andere Sonderaktionen wie der freie Eintritt für alle unter 19 Jahren oder der Besuch des gesamten Festivals mit dem nonstop Kinoabo.

Alle Inhalte anzeigen

Neu ist heuer das interaktive Projekt "Tree Trophy Game" – was kann man sich darunter vorstellen?

Das „Tree Trophy Game“ baut auf unseren frisch gepflanzten Baumtrophäen auf, die wir seit 2023 anstatt den üblichen Trophäen vergeben. Es ist ein interaktives Geocaching-Spiel, das direkt in unserer Festival-App gespielt werden kann. Die Filmbäume sind in einer digitalen Karte auffindbar und können so nacheinander besucht und die prämierten Kurzfilme in unmittelbarer Umgebung des Baums gestreamt werden. Nach dem Streaming können Spieler:innen ein Quiz über den Film lösen und Punkte gewinnen. Diese Punkte können anschließend bei verschiedenen Kooperationspartner:innen für Preise eingelöst werden, u.a. für Kinotickets, Merchandise oder sogar Hotelnächte.

Ist euer Ziel, Wien eines Tages in einen (Kurz-)Filmwald verwandelt zu haben?

Genau so ist es! Schon jetzt haben wir Filmbäume in der ganzen Stadt, nach dieser Edition sogar direkt im MuseumsQuartier. Unser Wunsch ist es, dass man in einigen Jahren durch Wien spaziert und überall einen Kurzfilm entdecken kann. So bringen wir die Filme in die Stadt und die Wiener:innen auch außerhalb der Festivalwoche in den Genuss von Kurzfilmen.

Mehr Infos zum Vienna Shorts Kurzfilmfestival und das komplette Programm findet ihr hier.