Filmkritiken

"Obsession"-Filmkritik: So fürchterlich kann Liebe sein

Heuer werden wir mit Schrecken verwöhnt: kurz nach dem Kinostart von "Backrooms" kommt gleich der nächste Indie-Horrorhit mit "Obsession – Du sollst mich lieben". Hier geht es um eine Wunscherfüllung in Herzensdingen mit furchtbaren Konsequenzen. 

Alle Inhalte anzeigen Alle Inhalte anzeigen Alle Inhalte anzeigen

Gefährliche One Wish Willow

Der schüchterne Bear (Michael Johnston) hat sich bisher nicht getraut, seiner besten Freundin Niki (Inde Navarrette) zu gestehen, dass er mehr als nur platonische Gefühle für sie empfindet. Als er in einem Esoterikladen auf das seltsame Angebot einer "One Wish Willow" stößt, findet er, ein Versuch könne nicht schaden und zerbricht das Plastikteil, wodurch angeblich ein Wunsch in Erfüllung geht. Natürlich möchte er von Niki ebenfalls geliebt werden. Genau das passiert umgehend und nun könnte der Film eigentlich schon wieder mit einem dicken Happy End vorüber sein, doch bei Regisseur Curry Barker wird das zum Ausgangspunkt einer gnadenlosen Beziehungsgeschichte, in der wir vorgeführt bekommen, welche bösen Wendungen eine grenzenlose Liebe nehmen kann.

Alle Inhalte anzeigen

Phänomenologie der Liebe

Was macht das Wesen von Liebe überhaupt aus und wie kann man sicher sein, dass man jemanden liebt? Sehr philosophische Fragen, und wäre Barker nicht im Filmbusiness tätig, hätte er vielleicht so etwas wie eine "Phänomenologie der Liebe" als denkerisches Hauptwerk vorgelegt. Zum Glück erzählt er uns aber stattdessen eine unheimliche Geschichte, die uns sehr drastisch vor Augen führt, wie irrational eine bedingungslose Verliebtheit eigentlich ist. Im Idealfall beruht so ein Zustand auf Gegenseitigkeit; doch von außen betrachtet könnte es scheinen, dass man zum Gefangenen von Gefühlen wird und irrationale Verhaltensmuster an den Tag legt, die erschreckend wirken. Bei Barker wirken sie nicht nur so, sondern sind es tatsächlich, denn dank der Voraussetzung eines nur allzu gut gelungenen Liebeszaubers treibt er alles auf die Spitze. Die arme Niki wird zum Opfer einer krankhaften Abhängigkeit von ihrem unfreiwilligen Objekt des Begehrens, obwohl ihr früheres Selbst mitunter verzweifelt dagegen anzukämpfen versucht (aber das tut der Gesundheit auch nicht gut).

Alle Inhalte anzeigen

Johnston entgeistert, Navarrette entfesselt

Manche Szenen werden bis zur Unerträglichkeit zerdehnt. Das könnte man als misslungene Dramaturgie auffassen, aber eigentlich zeigt es uns, dass die Figuren nicht in der Lage sind, auszusprechen, was sie eigentlich fühlen. Vor allem Bear ist ein Meister im Suchen von Ausflüchten und beginnt herumzustammeln, wenn er Klartext sprechen sollte. Johnston hat also eine eher passive Rolle und muss in erster Linie den Fassungslosen und Verängstigten mimen. Eine wesentlich schwierigere Aufgabe kommt da schon Navarette zu: Sie verwandelt sich vom netten Mädchen in eine unberechenbare Psychopathin, die mal mit dämonischem Dauergrinsen im Gesicht für lange Zeit unbeweglich dasteht, im nächtlichen Schlafzimmer in den dunkelsten Ecken herumgeistert, hemmungslos kreischt und heult oder blutige Gewaltausbrüche provoziert. Die Situation wird zusehends absurder und bedrohlicher – und die Gefahr, dass jemand zu Schaden kommt, erscheint sehr wahrscheinlich. In all den Schrecken mischt sich aber auch ein dunkler Humor, der sich gegen Ende zu immer mehr steigert.

Und was lernen wir daraus? Man muss verdammt vorsichtig mit seinen Wünschen sein, denn sie könnten in Erfüllung gehen. Wer sich hingegen schon länger wieder einmal den perfekten Beziehungshorror gewünscht hat, wird dank "Obsession" überglücklich sein.

4 von 5 toten Katzen für den kleinen Hunger zwischendurch

 "Obsession - Du sollst mich lieben"  ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!