„Bruno – Der junge Kreisky“: Historische Hintergründe
Die Entwicklung des jungen Bruno Kreisky findet in der dunkelsten Zeit Österreichs statt: Arbeitslosigkeit, Austrofaschismus, Verfolgung politisch Andersdenkender, Nationalsozialismus. Kreisky verbringt fast zwei Jahre im Gefängnis, wird von der SS gefoltert und des Landes verwiesen. Fünfundzwanzig enge Verwandte Kreiskys wurden im Holocaust ermordet. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil hat Bruno Kreisky die österreichische Politik sehr stark geprägt, aber nicht viele Menschen kennen seine Vorgeschichte. Das will nun Harald Sicheritz mit seinem „Bruno – Der junge Kreisky“ ändern.
Kein konventionelles Biopic
„Bruno – Der junge Kreisky“ mit dem Nestroy-Preisträger Nils Arztmann in der Hauptrolle versteht sich nicht als konventionelles Biopic. Die Produktion verfolgt stattdessen den Anspruch auf modernes Erzählkino, eingebettet in ein historisches Ambiente. Die Idee zu diesem Film ging von Drehbuchautor Fritz Schindlecker aus und es gelang ihm dann, Harald Sicheritz von dem Projekt zu überzeugen.
Sicheritz führt dazu in einem Interview, das im Presseheft enthalten ist, näher aus: „Fritz Schindlecker brachte die Historikerin und Kreisky-Kennerin Helene Maimann als beratende Ko-Autorin ins Team. Ihr umfangreiches persönliches Archiv sowie ihre guten Kontakte zu noch lebenden Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern von Bruno Kreisky haben von Anfang an sichergestellt, die Geschichte seiner Jugend richtig zu erzählen. Für mich war es sehr schön zu sehen, wie sehr die Vorführung des fertigen Films beeindruckte. Es war uns als Team wichtig, wie gut junge, mit keiner Kenntnis vom Österreich der dreißiger Jahre vorbelastete Menschen den Film aufnahmen.“ Und er fügt hinzu: „ Als politisch wacher Teenager der siebziger Jahre hätte ich mir Filme wie 'Bruno – Der junge Kreisky' dringend gewünscht. Deswegen wünsche ich mir von Herzen, dass der Film auch ein Unterrichtsmittel für Schulen wird.“
Bruno Kreiskys Lebensweg
Das Leben des Politikers lässt sich prägnant in fünf wesentliche Abschnitte gliedern:
- Herkunft und Jugend (1911–1927): Am 22. Jänner 1911 in Wien in eine liberale, jüdische Mittelschichtsfamilie geboren, erlebt er als Kind den Ersten Weltkrieg und den Untergang der Habsburgermonarchie. Seine politische Haltung formt sich früh, besonders durch das prägende Erlebnis des Justizpalastbrands 1927, bei dem er Augenzeuge eines blutigen Polizeieinsatzes gegen Demonstrierende wird.
- Widerstand und Verfolgung (1928–1938): Trotz anfänglicher Hürden engagiert er sich aktiv in der sozialistischen Jugendbewegung. Nach dem Verbot der Sozialdemokratie im Jahr 1934 kämpft er im Untergrund weiter, gründet die illegale Revolutionäre Sozialistische Jugend und wird 1935 wegen Hochverrats für 15 Monate inhaftiert. Direkt nach dem „Anschluss“ an das NS-Regime 1938 verhaftet ihn die Gestapo erneut.
- Exil und Rückkehr (1938–1951): Nach seiner Entlassung, bedingt durch die Auflage zur sofortigen Ausreise, flieht Kreisky über Dänemark nach Schweden, wo er die NS-Zeit im Exil verbringt. Im Jahr 1951 kehrt er nach Österreich zurück und startet seine politische Karriere im Regierungs- und Parteiapparat.
- Politischer Aufstieg (1951–1970): Er steigt rasch auf – vom Kabinettsvizedirektor über den Staatssekretär bis hin zum Außenminister (ab 1959), wo er sich international als Ost-West-Vermittler einen Namen macht. 1967 übernimmt er den SPÖ-Parteivorsitz.
- Die Ära Kreisky (1970–1983): Nach dem überraschenden Wahlsieg 1970 führt er Österreich als Bundeskanzler. Mit drei darauffolgenden absoluten Mehrheiten prägt seine 13-jährige Regierungszeit als „Ära Kreisky“ die Geschichte des Landes nachhaltig.
„Bruno - Der junge Kreisky“ ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!