„Ein Talent fürs Morden“-Kritik: Mirren greift zum Messer
Auf der Suche nach dem perfekten Mord muss man natürlich eine Krimiautorin zu Rate ziehen, auch wenn die zunächst sehr unwirsch reagiert – aber „Ein Talent fürs Morden“ ist bei ihr jederzeit vorhanden. Zurückgezogen lebend in ihrem Schweizer Chalet denkt die mittlerweile über 70jährige Patricia Highsmith (Helen Mirren) gar nicht daran, sich noch einmal der Mühe zu unterziehen, einen Krimi zu schreiben. Das soll sich allerdings ändern, wenn es nach dem Willen des jungen Lektors Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich) geht.
Er besucht die gefeierte Autorin im Tessin und möchte unbedingt, dass sie für einen letzten Auftritt die Romanfigur ihres Lieblings-Antihelden Tom Ripley zurückkehren lässt, weil ihm das auch für die eigene Karriere förderlich wäre. Daher gibt er sich große Mühe, sie in langen Gesprächen davon zu überzeugen, dass sich der künstlerische Aufwand durchaus lohnt. Doch da hat er die Rechnung ohne die gewitzte Crime-Lady gemacht, denn die verwickelt ihren unerwünschten Gast in ein morbides Katz-und-Maus-Spiel, das immer gefährlichere Züge anzunehmen scheint.
Grummelige Highsmith
Regisseur Anton Corbijn („Control“, „The American“) inszeniert ein mörderisches Kammerspiel, dessen wenige Figuren (als dritte im Krimi-Bunde tritt noch Olivia Cooke auf) und vielen Dialoge auf ein Theaterstück als Vorlage hindeuten. Tatsächlich hat die australische Dramatikerin Joanna Murray-Smith ihr eigenes Bühnenstück „Switzerland“ in ein Drehbuch verwandelt. Ihr Werk verrät eine große Highsmith-Verehrung, die aber nichts mit Heiligenanbetung zu tun hat, sondern durchaus ironisch, verspielt und sogar etwas respektlos ausgefallen ist. Wir treffen auf eine Highsmith, die nicht mehr produktiv ist: Ihre derzeitige Lieblingsbeschäftigung besteht in Trinken und Rauchen, sie kultiviert ihren Menschenhass und betrachtet gerne die an der Wand befestigte Messersammlung.
Ein besonders scharfes Messer
Ihr Gast wird ihr ein neues schönes Exemplar als Geschenk mitbringen, und eben diese Waffe spielt dann auch eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf. Natürlich muss bei einer solchen scharfen Schneide auch Blut fließen, aber es ist nicht so sicher, wer hier wen über die Klinge springen lässt, denn wir befinden uns mindestens auf zwei Handlungsebenen - vielleicht gibt es auch noch eine dritte, die uns dann zuletzt überraschen wird. Immerhin macht bereits die erste Szene deutlich, wer den Ton angibt und das Sagen hat. Highsmith blickt zwar auf ein leeres Blatt, das in der Schreibmaschine eingespannt ist, aber trotzdem entspinnt sich eine Geschichte in ihrem Geist. Bleibt abzuwarten, ob sie tatsächlich die Fäden in der Hand behält oder ob ihr die eigene Schöpfung über den Kopf wächst und ein Eigenleben entwickelt.
Tolle Darsteller lassen Schwächen vergessen
Nach „The Queen“, „Catherine the Great“, „Elizabeth I.“ und „Golda“ verwandelt sich Helen Mirren für diese Rolle erneut in eine berühmte Frauenfigur. Auf ihre unnachahmliche Weise gibt sie sich hingebungsvoll kratzbürstig und lässt einen rauen Charme spielen: Man traut dieser Highsmith einfach alles zu und würde nur ungern mit ihr eine Nacht unter einem Dach verbringen – vor allem, wenn man das Schlafzimmer nicht von innen versperren kann. Der jungenhafte Ehrenreich wirkt zunächst wie das perfekte Opfer für hinterhältige Einschüchterungsversuche und man muss bei dieser Gastgeberin um seine Gesundheit fürchten. Doch hier ist nicht unbedingt alles so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.
Diese beiden Darsteller machen den Film jedenfalls über weite Strecken zum reinen Vergnügen, und gleichen einige Handlungsschwächen locker aus. Die entwickelte Ripley-Geschichte ist nämlich nicht gerade originell, sondern wirkt ziemlich altbacken und holprig. Man kann nur froh sein, dass Highsmith keinen sechsten Roman über ihre Lieblingsfigur geschrieben hat - wenn er sich aus dieser Story entwickelt hätte, wäre es bestimmt kein Bestseller geworden. Aber eigentlich geht es in erster Linie darum, mit letzter Kraft Abschied von einer Figur zu nehmen – und dieses Ziel wird mit tödlicher Konsequenz erreicht.
3 von 5 Arsenpackungen neben dem Küchenherd.
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