"Extrawurst": So wurde das Theaterstück zum Film
Von Franco Schedl
Grillen kann entspannend sein, aber auch Konfliktpotential in sich bergen. Das wird uns derzeit auf urkomische Weise durch Stars wie Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Friedrich Mücke, Anja Knauer und Fahri Yardim im Kino vorgeführt. Ursprünglich war "Extrawurst" aber ganz wo anders zu sehen. Eines der witzigsten und erfolgreichsten Theaterstücke der letzten Jahre kommt nun dank Regisseur Marcus H. Rosenmüller auf die große Leinwand. Wie der Umwandlungsprozess vom Stück zum Film eigentlich über die Bühne gegangen ist, wollen wir euch in diesem Artikel verraten.
Ein Elternabend regt zum Bühnenstück an
Ein banaler Elternabend gab den Anstoß für eines der erfolgreichsten deutschen Theaterstücke der letzten Jahre. Wie man im Presseheft zu "Extrawurst" nachlesen kann, erinnert sich Comedy-Autor Dietmar Jacobs an die Frage nach einem Grill für muslimische Familien: "Ein türkischer Vater meinte, das sei gar kein Problem. Man würde einfach den eigenen Grill mitbringen." Jacobs und sein Koautor Moritz Netenjakob fragten sich jedoch: "Was wäre passiert, wenn das Thema nicht so schnell abgeräumt worden wäre?"
Daraus entwickelten sie "Extrawurst", eine Geschichte über einen Tennisclub, der die bürgerliche Bundesrepublik widerspiegelt. Netenjakob erklärt den ernsten Kern: "Seit Jahren erleben wir, wie die Debattenkultur in Deutschland den Bach runtergeht." Das Stück zeigt laut Jacobs, wie durch politische Diskussionen „Mini-Bubbles entstehen, Masken fallen“ und ein Streit eskaliert, der "in einer Schlacht enden kann". Ein besonderer Kniff im Theater: Das Publikum darf am Ende über den zweiten Grill abstimmen.
Die filmische Umsetzung
Der enorme Erfolg auf der Bühne rief Filmproduzenten auf den Plan. Den Zuschlag erhielt die Firma "Lieblingsfilm", da die Autoren große Fans des Regisseurs Marcus H. Rosenmüller ("Rosi") sind. Produzent Robert Marciniak war von den pointierten Dialogen begeistert: "Deshalb wollten wir die Handlung aus dem Theater holen und als großen Film auf die Leinwand bringen."
Die Adaption erforderte jedoch strukturelle Änderungen. Während das Theaterstück in nur einem Raum spielt, nutzten die Autoren für den Film neue Orte und Handlungsstränge. "Wir konnten die Gag-Dichte tatsächlich noch einmal steigern", so Netenjakob. Marciniak betont zudem die charakterliche Weiterentwicklung: "Wir erfahren im Film viel mehr über die Figuren als im Theaterstück."
Auch das Ende wurde für das Kino angepasst, da eine Publikumsabstimmung dort nicht möglich ist. Regisseur Rosenmüller zeigt sich von der Vorlage tief beeindruckt: "Das Drehbuch ist so flott geschrieben, hat so viele Pointen und so viel Tiefe, dass ich dachte: Wenn das jetzt an mir vorbeigeht, bin ich echt beleidigt."
"Extrawurst" ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!