Filmkritiken
11.09.2013

ALIENS ALS BIERSPASSVERDERBER

Wer den wohl witzigsten Zombiefilm aller Zeiten „Shaun of the Dead“ gesehen hat und auch die Krimi-Komödie „Hot Fuzz“ kennt, in der die gefährlichsten Rentner der Filmgeschichte vorkommen, weiß ungefähr, was in „The Wold‘s End“ alles passieren könnte; obwohl man bei dem Team Simon Pegg und Edgar Wright nie ganz sicher sein kann, welche neuen genialen Verrücktheiten ihnen eingefallen sind. Sobald fünf Freunde nach 20 Jahren eine ambitionierte Pub-Tour in ihrem Heimatort wiederholen bzw. zu einem erfolgreichen Ende bringen wollen, weil ihr damaliger King, der zufällig wirklich so heißt, sich in all der Zeit kein bisschen verändert hat, dann steuert das auf eine große Alkoholvergiftung zu, sollte man meinen. Selbst wenn die restlichen vier aus diesem Musketier-Quintett zu ziemlich trockenen und angepassten Mitbürgern geworden sind: durch etliche Pints von Stout oder Porter werden garantiert auch die hartnäckigsten Alterserscheinungen hinweggespült und der alte Übermut gewinnt die Oberhand.

Dummerweise verstehen die meisten Ortsbewohner aber keinen Spaß und laufen mit unbeweglichen Gesichtern roboterhaft durch die Gegend, was daran liegt, dass es tatsächlich künstliche Menschen sind. Die Mehrzahl der echten Bevölkerung wurde nämlich von einer außerirdischen Macht gegen Cyborgs ausgetauscht, in deren Inneren blaues Blut zirkuliert (falls man das so sagen kann; ich bin kein Kenner der Alien-Technologie). Die Situation klingt ziemlich hoffnungslos, und das zu Recht: immerhin haben als Vorbilder sozialkritische Science-Fiction-Filme der 50er bis 70er Jahre - allen voran „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ - gedient.

King und die Seinen bewahren als echte Briten selbstverständlich „stoische Gelassenheit im Angesicht der Katastrophe“, was aber nicht bedeutet, dass sie auf körperliche Gewalt verzichten würden.

Kneipenschlägereien sind keine Besonderheit, doch solche wie in diesem Film hat bestimmt noch niemand von uns zu sehen bekommen; abgesehen davon wirkt ein Simon Pegg im schwarzen Outfit ziemlich cool.

Das alles ergibt einen würdigen Abschluss der von Pegg sog. „Blut und Eiskrem-Trilogie‘ bzw. laut Wright „Drei Geschmacksrichtungen: Cornetto-Trilogie“. Das in Großbritannien besonders beliebte Cornetto-Eis spielt nämlich in jedem der drei Filme eine Rolle, die man als materialistisch eingestellter Spaßverderber auch Product-Placement bezeichnen könnte. Darum wird auch in diesem Film irgendwann unweigerlich ein Cornetto-Papier durchs Bild flattern.

Obendrein basiert die Geschichte auf einer wahren Begebenheit, denn die englische Arbeiter- oder eher Trinkerklasse konnte dank Wrights eigenen Erfahrungen so lebensecht gestaltet werden: er wollte in seinen Teenager-Tagen eine ähnliche Sauftour unternehmen, schaffte aber von den vorgesehenen 15 Stationen nur knapp die Hälfte. Ob es dabei auch zu Alien-Sichtungen gekommen ist, kann ich nicht sagen. Aber ich gebe zu bedenken: wenn man lange genug ins Bierglas schaut, sieht man alles Mögliche bzw. starrt alles Mögliche zurück.

„The World’s End“ bietet besten britischen Humor, den man auch ohne exzessiven Alkoholkonsum herrlich komisch finden muss und der 9 von 10 Promille auf meiner Lieblingsfilm-Skala verdient hat.

Eine Freundesrunde plant eine große Sauftour durch etliche Pubs, doch bevor sie sich richtig vollaufen lassen können, werden sie mit einer außerirdischen Bedrohung konfrontiert.