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Filmkritiken
07/24/2018

"Ant-Man and the Wasp": Eine Ameise als Godzilla

Paul Rudd schlüpft wieder in seinen Ant-Man-Anzug, um die Größenverhältnisse auf den Kopf zu stellen.

Am Ende des ersten „Ant-Man“-Films haben die Avengers beschlossen, Scott Lang in ihr Team aufzunehmen und er hat in der großen Schlacht am Leipziger Flughafen (siehe „Captain America: Civil War“) bereits mitgekämpft. Durch diesen Ausflug nach Deutschland ist aber das US-Justizsystem auf ihn aufmerksam geworden und er darf nun längere Zeit seine eigenen vier Wände nicht verlassen – immer unter Aufsicht eines argwöhnischen und leicht trotteligen FBI-Mannes.

 

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Rückholaktion aus der Quantenwelt

So ein Verbot kann Scott jedoch nicht daran hindern, wieder ins Ant-Man-Kostüm zu schlüpfen und das Weite zu suchen, wenn der Physiker Hank Pym (Michael Douglas) und dessen schöne Tochter Hope (Evangeline Lilly) seine Hilfe brauchen. Immerhin hat er es schon einmal geschafft, aus dem subatomaren Raum zurückzukehren und entsprechend groß ist Pyms Hoffnung, dass sich auch seine eben dort vor 30 Jahren verschollene Frau (Michelle Pfeiffer) wieder zurückholen lässt. Diese Aufgabe steht diesmal im Zentrum des Films – und als wäre sie nicht ohnehin schon kniffelig genug, wird sie durch ein paar weitere Umstände erschwert. Ein Gangsterboss und eine geheimnisvoll aufflackernde Gestalt namens Ghost sind nämlich hinter Pyms Technologie her, liefern sich mit unseren kostümierten Titelhelden erbitterte Verfolgungsjagden und bringen die Rückholaktion aus der Quantenwelt ständig in Gefahr.

 

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Spektakuläre Schaueffekte

Den meisten Spaß und die spektakulärsten Schaueffekte bieten natürlich wieder die auf den Kopf gestellten Größenverhältnisse: da können Bürohäuser auf Trolley-Größe schrumpfen, Matchbox-Autos sind im Straßenverkehr unterwegs, ein PEZ-Spender im „Hello Kitty“-Design wird zur gefährlichen Riesenwaffe und zuletzt bekommen wir noch eine faszinierende Anregung geboten, wie in Ant-Mans Welt ein Autokino aussehen kann. Doch nicht nur unbelebte Dinge erscheinen abwechselnd über- und unterdimensioniert, sondern dieses Kunststück bringen in erster Linie Scott Lang und seine fliegende Wespen-Freundin Hope pausenlos fertig: ein denkwürdiger Kampf in der Küche eines Restaurants zählt zu den großen Auftritten der kleinen Wasp und Ant-Man wird einmal regelrecht zu Godzilla, wenn er sich aus der Bucht von San Francisco erhebt.

 

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Alte und neue Figuren

Michael Douglas und Michelle Pfeiffer repräsentieren die alte (Schauspiel)Garde auf bewundernswert aktive Weise. Von den bisher bekannten Charakteren lässt vor allem Michael Peña sein Plappermaul wiederum keine Sekunde lang stillstehen (und ganz schlimm wird es, sobald ein Wahrheitsserum in seinem Blut zirkuliert). Neu hinzugekommen ist beispielsweise Laurence Fishburne: ihm fällt als Dr. Pyms ehemaliger Berufskollege eine zunächst etwas undurchschaubare Rolle zu; und Hannah John-Kamen („Ready Player One“) spielt eine Figur, die zwar nicht wirklich böse ist, aus Verzweiflung aber sehr skrupellos handeln kann.

 

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"Infinity War" holt Ant-Man ein

Während sich im Marvel-Universum gerade ein echtes Drama ereignet und die Infinity Stones in Thanos Händen dafür sorgen, dass haufenweise Helden und Normalmenschen zu Staub zerfallen, geht es hier eigentlich die meiste Zeit über recht unbeschwert-heiter und manchmal sogar richtig psychedelisch überdreht weiter. Doch in der Midcredit-Szene holen die Ereignisse des „Infinity War“ dann endlich auch Ant-Man und seine Freunde ein, und der Film entlässt uns mit einem fiesen Cliffhanger. Hingegen lohnt es sich aber nicht, bis zum wirklichen Ende des Abspanns durchzuhalten, denn die Postcredit-Szene bietet dann wieder nur einen belanglosen kurzen Scherz, über den vermutlich alle Ameisen lachen müssen.

9 von 10 Quantensprüngen

franco schedl