Filmkritiken
03.10.2013

APOKALYPTISCHE KONZERTIMPRESSIONEN

Metallica gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Bands der Welt und das nicht nur in der Metal-Szene! Was sicher auch daran liegt, dass sich der Musik-Stil auf den bisher neun erschienenen Studioalben sehr abwechslungsreich gestaltet (nicht immer zur Freude der Ur-Thrash-Fans). Mit „Some Kind of Monster“ brachten sich die Jungs 2004 auch ins Kinogeschäft ein. Die Dokumentation zeigte schonungslos die vielen persönlichen Probleme der Bandmitglieder, die alltäglichen Situationen während der Studioaufnahmen und auch wie wenig dazu gefehlt hätte, dass sich Metallica auf Grund der Krise auflösen wollten. Zum Glück ist das nicht geschehen und so dürfen wir nun den zweiten Kinofilm der Metaller bestaunen. Diesmal ist es aber keine Dokumentation, sondern ein Konzertfilm mit schauriger Nebenhandlung.

Ein Konzert von Metallica steht an und in der Stadt von Trip, dem Roadie, steht alles Kopf. Der junge Metal-Fan steuert voller Vorfreude ob seines Jobs hinter der Bühne auf einen chaotischen und bedrohlichen Abend zu. Während die Jungs rund um James Hetfield lautstark ihren Fans einheizen und die Halle zum Beben bringen, bekommt Trip den Auftrag, eine äußerst wichtige Tasche aus einem weiter entfernten Stadtviertel zu holen. Wiederwillig macht er sich auf den Weg und findet sich bald inmitten von Straßenschlachten zwischen vermummten Rebellen und Polizisten wieder. Als wäre das nicht genug, erscheint inmitten des Tumults ein mysteriöser Reiter, der es auf Trip abgesehen hat und eine gnadenlose Verfolgungsjagd durch die düstere brennende Stadt beginnt…

Als Konzertfilm beschert uns „Through the Never“ wunderbare Einblicke in das Können der Musiker. Da wird geschreddert, getrommelt und gesungen was der Körper hergibt. James Hetfield sieht mit seinen 50 Jahren noch immer verdammt gut aus und seine Stimme besticht durch Klarheit, Kraft und Facettenreichtum. Lars Ulrich ist ein Viech – wie in seinen jungen Jahren schenkt er seinem Drum Kit nichts: Mit weit heraushängender Zunge, irrem Blick und einer Mordsenergie drischt er auf die Bases ein, als gäbe es kein Morgen mehr (was gut durch die apokalyptische Nebenhandlung unterstrichen wird). Kirk Hammett, der seit 1983 Dave Mustaine ersetzt, bleibt seiner gelassenen Linie treu und wandert, die Gitarre bearbeitend, stets leicht phlegmatisch über die Bühne. Robert Trujillo, der seit 2003 jüngstes Mitglied bei Metallica ist, überzeugt mit seiner endlosen Energie und zeigt uns gekonnt, wie man einen sehr tiefhängenden Bass fingerzupfend beherrscht.

Der Film wurde in 3D gedreht und so bekommt man des Öfteren ein richtiges Live-Gefühl, wenn z.B. die Kamera quer über das Publikum schwebt und uns aus allen Perspektiven einen einwandfreien Blick auf die aufwändige Bühnenkonstruktion freigibt. Gigantische Videowände, bewegliche Skulpturen und ein überdimensionaler elektrischer Stuhl, der beim Anti-Todesstrafen-Song „Ride the Lightning“ seinen Einsatz erhält, beeindrucken in den kunstvoll eingesetzten Song-Inszenierungen.

Durch die gewaltigen Effekte auf der Bühne ist es deswegen umso schmerzlicher, wenn man in die Nebenhandlung mit Trip herausgerissen wird. Leider gelingt der Übergang nur selten und man braucht einige Zeit, um sich in die neue Umgebung wieder einzufühlen. Im Endeffekt bleibt die Nebenhandlung recht überflüssig, auch wenn das Potenzial zu einer gruseligen Mini-Geschichte vorhanden gewesen wäre, aber der Schluss ist so enttäuschend, dass man recht unerfüllt aus dem Saal geht. Das hat aber nichts mit der musikalisch genialen Leistung von Metallica oder der spektakulären Konzertinszenierung zu tun und deswegen gehen sich auch 8 Plektra aus!