Filmkritiken
10/17/2012

AUF POINTENSUCHE BEI DEN BRITEN

Die spinnen, die Römer. So wie die Briten, die spinnen auch. Punkt fünf unterbrechen sie alles, was sie gerade tun – sogar die Presswehe –, um eine Tasse heißes Wasser zu trinken "mit einem Wölkchen Milch". Sie sind von unnatürlicher Höflichkeit, sprechen seltsam ("Lasst uns schütteln die Hände") und pflegen geradezu verbrecherische Kochkünste: Beim Anblick von Wildschwein in Pfefferminzsoße bricht Obelix fast in Tränen aus.

" Asterix bei den Briten" zählt zu den lustigsten Abenteuern der genialen Comic-Serie und inspirierte sichtlich auch Laurent Tirard, der beim vierten Teil der Realverfilmungen erstmals Regie führte. Angeblich wurde er von der Rechte-Inhaberin Anne Goscinny persönlich vorgeschlagen; nach der letzten, allseits verrissenen Adaption von "Asterix bei den Olympischen Spielen" sollte er frischen Wind in die gallische Männerfreundschaft zwischen Asterix und Obelix bringen.

Und freche Untertöne: Etwas uncool seien sie schon, die "zwei Typen, die gemeinsam mit einem Hund zusammenleben".

Allzu weit treibt Tirard seine zweideutigen Anspielungen dann aber doch nicht – man will ja nicht die Fans vergrämen. Immerhin geraten Asterix und Obelix auf ihrer Reise nach Britannien, wo sie mit einem Fass Zaubertrank die Briten gegen die Römer unterstützen wollen, ein wenig in die Beziehungskrise. Und beschließen, ihr Glück verstärkt bei den (britischen) Frauen zu suchen.

Gérard Depardieu, der in seiner blau-weiß-gestreiften Obelix-Hose immer so aussieht, als würde er eine Sitzbadewanne mit sich herumtragen, hat dabei deutlich mehr Erfolg als Kumpel Asterix. Edouard Baer als neu besetzter Asterix spielt seinen gallischen Krieger spritzig elegant mit leicht französischer Überheblichkeit – und beißt bei den Britinnen auf Granit.

Regisseur Tirard konzentriert sich stark auf seine Figuren und entfaltet einige Komik im Detail: Julius Cäsar liegt geschwätzig beim Psychiater auf der Couch, ein listiger Inder schleicht durchs Bild und streut Teeblätter ins heiße Wasser. Auch Catherine Deneuve als britische Königin verzieht selbst dann nicht ihren Schmollmund, wenn ein römisches Steingeschoss ihre drei Yorkshire-Terrier betoniert.

Doch auch viele der Pointen gehen ins Leere. Die Normannen, die geradewegs aus dem Comic "Asterix bei den Normannen" durch Britannien irrlichtern, sind nicht halb so amüsant wie sie gerne wären. Manche der Dialoge ziehen sich ins Endlose, dafür gibt es verblüffend wenig Knufferei zwischen Galliern und Römern. Nur einmal geht Obelix durch das römische Heer wie die Axt im Walde. Da sausen dann Legionäre durch die Lüfte, dass es nur so pfeift.

Ziemlich spaßig es ist. Ist es nicht?

KURIER-Wertung: *** von *****