Filmkritiken
09.11.2016

"Before I Wake": Wenn das Traummonster vorbeikommt

Das Wunder-Kind Jacob Tremblay (bekannt aus dem oscar-nominierten „Room“) in einem poetischen Märchen über den Verlust geliebter Menschen.

Ein Mann tritt mit gezückter Feuerwaffe und Tränen in den Augen vor das Bett eines schlafenden Jungen. Wenn ein Horrorfilm so beginnt, kann man sicher sein: nicht der Erwachsene zählt zu den Bösen, sondern die Bedrohung geht vom Kind aus. Der Erwachsene führt sein Vorhaben jedoch nicht aus, und wenig später erhält ein Ehepaar, das offenbar kürzlich den eigenen Sohn verloren hat, eben jenen jungen Schläfer - das Waisenkind Cody - zugesprochen.

Gleich in der ersten Nacht flattern auf einmal wunderschöne Schmetterlinge durchs Wohnzimmer der Familie, um von einer Sekunde zur andern wieder zu verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Kann das Phänomen etwa damit zusammenhängen, dass sich der Junge kurz vorm Einschlafen einen Bildband über Schmetterlingen angesehen hat?

Ein Traummonster geht um

Als in der nächsten Nacht dann plötzlich ihr totes Kind vor den Eltern steht, beginnen sie die unglaublichen Zusammenhänge zu begreifen. Cody verfügt über eine spezielle Fähigkeit und seine Träume nehmen reale Gestalt an. Diese Gabe sorgt zunächst für ein paar fantastisch-schöne Momente, doch wir wurden vorgewarnt, denn der Kleine träumt angeblich öfter vom „Tinkerman“, ein Monster, das vorbeikommt, um Leute zu verspeisen – zum Beispiel einst Codys leibliche Mutter. Also ist es doch nicht so ideal, einen Hausgenossen mit diesen Fähigkeiten zu haben.

Before I Wake“ entwickelt sich in eine ganz andere Richtung, als man zunächst annehmen könnte. Das Werk ist nicht so sehr dem Horror-, sondern eher dem Fantasy-Genre zuzurechnen – und um noch genauer zu sein, handelt es sich eigentlich um ein poetisches Märchen über den Verlust geliebter Menschen. Regisseur Flanagan hat einen etwas langsamen Erzählrhythmus gewählt, und die Geschichte droht mitunter sentimental zu werden, doch der Auftritt des Wunder-Kinds Jacob Tremblay (bekannt aus dem oscar-nominierten „Room“) entschädigt für manche Schwäche. Ein idealer Allerseelen-Film.

7 von 10 geflügelten (Alp)traumboten.

franco schedl

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