Filmkritiken
09.10.2013

'BILDUNG' NEU BUCHSTABIERT

Stures Büffeln, Leistungsdruck, Konkurrenzdenken, Einpassung ins System und Abtötung jeglicher Phantasie – im Abschlussteil seiner Doku-Trilogie, die mit „We feed the World“ und „Let’s make Money“ eröffnet wurde, zeigt Erwin Wagenhofer, dass es auch anders geht.

Während sich das Schulsystem Chinas als abschreckendes Beispiel darbietet, wo der Erfolgszwang auch für eine traurige Statistik sorgt, weil die Selbstmordrate unter jungen Chinesen seit einigen Jahren in die Höhe schnellt, findet sich in Arno Sterns Pariser „Malort“ eine beeindruckende Alternative zum einengenden Normierungsdenken: dort können Kinder jeder Altersstufe in einem Malspiel ihre Kreativität entfalten. Außerdem kann der 1924 in Kassel geborene Pädagoge und Forscher in Gestalt seines Sohnes André ein geglücktes Erziehungsexperiment vorweisen: der 40jährige hat niemals eine Schule besucht, sondern sich alles Wissen durch Kultivierung einer kindlichen Neugier und Spielfähigkeit angeeignet.

Natürlich kommen bei Wagenhofer noch viele weitere Stimmen zu Wort, wie z.B. Gerald Hüther, Deutschlands bekanntester Hirnforscher, der überzeugende Argumente zur besseren Entfaltung menschlicher Potentiale vorbringt; oder Thomas Sattelberger, ein langjähriger Top-Manager, der sich vehement gegen eine Klon-Kultur ausspricht, die „geföhnte Bubis und Barbie-Puppen im Business-Look“ hervorbringt.

„Alphabet“ bietet eine Menge Denkanstöße, die uns dazu anregen sollten, das Wort ‚ Bildung‘ neu zu buchstabieren.