Filmkritiken
25.06.2012

BÖSER KLEINER GECKO

Als die Nachricht kam, dass Spider-Man neu verfilmt werden sollte, war ich anfangs ziemlich skeptisch gestimmt. Es wollte sich keine wirkliche Vorfreude einstellen, denn die Werke von Sam Raimi waren doch sehr zufriedenstellend und bedurften bestimmt keiner großen Veränderungen. Was konnte denn schon verbesser werden, abgesehen von ein paar nett eingeschobenen 3D- Effekten? Doch ich wurde angenehm überrascht und kann guten Gewissens sagen, dass auch die neue Verfilmung mit typischem Marvel- Charme und tollen Effekten punktet; abgesehen davon wird die Story den Comic-Fans garantiert zusagen.

Im Prinzip kennen wir die Geschichte ja aus Sam Raimis Vor-Filmen und den Comics: Peter Parker, ein unscheinbarer Außenseiter, wird von einem gentechnisch veränderten 8-Beiner gebissen und mutiert zum Spinnenmann. Fortan wird sein Leben von den körperlichen Veränderungen und rebellischem Verhalten beherrscht, sein Onkel Ben stirbt durch die Hand eines Verbrechers und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Diesmal verdreht aber nicht Mary Jane Watson Spidermans Kopf, sondern eine chronologisch früher einzuordnende Jugendliebe namens Gwen Stacy.

Ein bisschen Dr.Jekyll & Mr. Hide-Flair sogt für die entsprechende Dramatik, denn die Rolle des bösen Gegenspielers fällt in der aktuellen Version nicht dem grünen Goblin zu, sondern die dunkle Seite wird durch einen Echsenmann („The Lizard“) verkörpert, der im unmutierten Zustand übrigens ein äußert freundlicher und umgänglicher Zeitgenosse ist.

Der neue Spiderman besticht durch eine melancholischere Note und vor allem mehr Gefühl. Die etwas übermäßig ausgespielte Liebesgeschichte zwischen Peter und Gwen verleiht dem Blockbuster mitunter den Charakter einer Highschool- Romanze, aber letztlich setzt sich doch immer das Fantasy-Spektakel durch.

Manche Grundsequenzen erinnern zwar stark an Raimis Werke, aber Regisseur Marc Webb schafft es dann doch, eine eigene Bildsprache zu finden und Spiderman seinen individuellen Stil aufzuprägen. Unterhaltsam, humorvoll, gefühlsbetont und mit einer mächtigen Portion Action überzeugt die neue Adaption des Netzwebers daher auf fast allen Linien und muss sich keinesfalls hinter den großartigen Vorgänger-Filmen verstecken.

Ich vergebe 8,5 von 10 Spinnenbeinen und bin auf eine Fortsetzung gespannt.