BRAUNER DILETTANTISMUS ZUM FREMDSCHÄMEN

Mit braunem Devotionalienhandel hält sich der Hobbyfilmer über Wasser, bis er den Direktor der örtlichen Bank durch sein profundes Filmwissen überzeugen und als Geldgeber gewinnen kann. Nach einem Werbespot für die Sparkasse nimmt Pospiech mit Hilfe seines genauso filmbegeisterten Neffen an einem Filmwettbewerb teil, der ebenfalls von dem Bankhaus ausgeschrieben wurde. Die Themenwahl fällt, durch einschlägige Lektüre beeinflusst, auf „Adolf Hitler privat“ und die Besetzung der Hauptrollen ist auch schnell erledigt, weil Pospiech einheimische Nachwuchstalente anwirbt: Eva Braun wird durch eine Gastwirtin verkörpert (eine wie immer perfekt in ihrer (Doppel)Rolle aufgehende Gisela Schneeberger), ein Inder erhält die Rolle von Goebbels, und Adolf, der „Oasch aus Braunau“ (original Filmzitat) findet im örtlichen Musikalienhändler einen eher widerwilligen Darsteller (gerade Robert Mayer stiehlt in dieser namhaften Komödiantenrunde tatsächlich allen die Schau).

Die österreichisch/deutsche Koproduktion „Und Äktschn!“ kann leider mit Polt-Klassikern wie „Kehraus“ und „Man spricht deutsh“ längst nicht konkurrieren, unterhält jedoch - trotz einiger Längen und der großen Gefahr, durch die Darstellung etlicher Dilettanten selber bis zur Peinlichkeit ins ungewollt Dilettantische abzugleiten - als cineastische Provinzposse mit einigen unerwarteten Gaststars und dank Robert Meyers Hitler-Parodie.

Die Erkenntnis, dass wir ohne Peter Ustinov gar nicht wüssten, wer Rom eigentlich in Brand gesteckt hat, klingt zwar für Polt-Freunde seit vielen Jahren ziemlich vertraut, aber gerade in diesem Film darf sie selbstverständlich nicht fehlen - immerhin ist sie einer der geglücktesten Sager. 6 von 10 Filmbegeisterungspunkten sind gerade noch möglich.

PS. Wer einen wirklich beeindruckenden Film sehen möchte, in dem Hitler und sein Klüngel als banale, aber leider über zu viel Macht verfügende Privatmenschen agieren und uns gerade auf diese Weise das Fürchten lehren, sollte Aleksandr Sokurovs „Moloch“ (1999) nicht versäumen.

(franco schedl)
Und Äktschn!

Und Äktschn!

A/D 2014
Komödie
06.02.2014
Frederick Baker
Zwischen beißender Ironie und melancholischem Witz bietet die österreichisch-deutsche Koproduktion nicht nur ein Wiedersehen mit Gerhard Polt im Kino, sondern auch eines der schillerndsten Komödien-Ensembles der letzten Jahre!
5.50

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