Oscars
26.02.2018

Caleb Landry Jones: Der Star ohne Oscar-Nominierungen

Wer die diesjährigen Oscar-nominierten Filme gesehen hat, der ist öfters auf sein Gesicht gestoßen.

Der 29 jährige Texaner spielt dieses Jahr in gleich drei Oscar-nominierten Filmen mit - soviel wie kein Anderer! Drei der fünf Nominierten für die beste Nebenrolle hatten Caleb Landry Jones als Spielpartner neben sich und gerieten mit ihm aneinander, weil es das Drehbuch so vorsah. In den meisten Fällen endeten diese Auseinandersetzungen nicht gerade friedlich, doch in allen Fällen waren sie unterhaltsam! Trotz grandioser Rollenauswahl und umwerfender Darstellungen erhielt der Ex X-Men keine Oscar-Nominierung. Ein kleiner Skandal, wie wir finden.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri

In allen drei Filmen spielt der Rotschopf eine wichtige Nebenrolle. Seinen größten Auftritt hat er in der siebenfach nominierten Tragikomödie „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh. Als Besitzer einer kleinen Werbeagentur vermietet er der rachsüchtigen Mildred Hayes (Frances McDormand) drei Werbetafeln, die den kleinen Ort Ebbing in Aufruhr versetzen. Jones spielt den homosexuellen Subtext seiner Figur großartig mit und ist sich auch für den ein oder anderen Stunt nicht zu schade. Jones musste sich in der schwarzen Komödie jedoch gegen Großkaliber wie Woody Harrelson oder Sam Rockwell durchsetzen, die beide als beste Nebendarsteller nominiert sind.

Get Out

In „Get Out“ spielt er den nahkampferprobten Sohn einer etwas anderen Vorstadtfamilie. Obwohl seine Figur nicht im Vordergrund steht, hinterlässt er auch hier einen bleibenden Eindruck. Sein markantes Gesicht und seine kratzige Stimme, erwecken den schick gekleideten Snob zum Leben und geben ihm eine emotionale Instabilität, die erst im Verlauf des Filmes Sinn ergibt. Man muss hier auch das großartige Drehbuch von Jordan Peele wertschätzen, der es versteht, gekonnt falsche Fährten und unerwartete Wendungen in seine Geschichten einzubauen.

The Florida Project

Seine kleinste Rolle hat Jones in Sean Bakers „The Florida Project“ Als Sohn von Willem Dafoe tritt er immer wieder als helfende Hand in Erscheinung, doch macht er mehr für die Geschichte, als nur Kühlschränke zu entsorgen. Willem Dafoe, der für seine Nebenrolle als Hausmeister Bobby die einzige Nominierung für dieses Indie-Meisterwerk erhielt, dürfte jedoch am 4. März auch leer ausgehen. „The Florida Project“ ist der einzige Film, bei dem sich Caleb Landry Jones nicht mit einem Oscar-nominierten Haupt- oder Nebendarsteller prügelt, aber dafür auch derjenige dem er durch seine Kurzauftritte am meisten Tiefe verleiht. Die Vater-Sohn Beziehung zwischen ihm und Dafoe ist trotz der minimalistischen Darstellung herzergreifend.

Caleb Landry Jones ist ein Name, von dem wir in Zukunft bestimmt noch öfters hören werden. Nächstes Jahr ist er sogar in einem österreichischen Film als Hauptdarsteller zu sehen. In Peter Brunners "To the Night" spielt er einen als Kind einem Brand entkommenen Mann, der eine große Faszination für Licht entwickelt. Wir sind gespannt!

Özgür Anil