Filmkritiken
15.05.2013

DAS BÖSE TANZT WIEDER AN

Die Teufel tanzen wieder, „Das Buch des Todes“ öffnet sich erneut, um in einer entlegenen Waldhütte für blutiges Dämonentreiben zu sorgen. Diesmal freilich nicht mehr unter Sam Raimis Regie und unter deutlich weniger ironischen Vorzeichen. Der „Evil Dead“-Erfinder verzichtete darauf, noch einmal den Weg in die Wälder anzutreten, sondern beschränkte sich auf die Rolle des Produzenten und überließ Fede Alvarez die Regie. Der aus Uruguay stammende Newcomer erzielte durch seinen auf YouTube veröffentlichten phänomenalen Sci-Fi-Kurzfilm „Panic Attack!“ über sieben Millionen Aufrufe und erregte dadurch Raimis Aufmerksamkeit. Der Regieprofi glaubte, einen würdigen Kandidaten für das Remake seines Kultfilms gefunden zu haben. Tatsächlich geht Alvarez relativ unverkrampft an die Aufgabe heran: er verkneift sich nicht die unerlässlichen Anspielungen aufs Original, bewahrt sich aber so viel Eigenständigkeit, der Handlung ganz unverhoffte Wendungen zu geben.

Die Hüttengaudi ist diesmal anders motiviert: Ein drogensüchtiges Mädchen wird von ihrem Bruder und drei gemeinsamen Freunden zu einer Radikalkur verdonnert und um den kalten Entzug möglichst kompromisslos durchzuziehen, wählen sie den denkbar einsamsten Schauplatz. Wie sollten sie auch ahnen, dass sie damit zu Spielbällen der Dämonen werden – vor allem, weil sie die seltsamen Sichtungen vorerst als Phantasien der Drogenkranken abtun.

Das Ergebnis kann nicht wirklich überzeugen, weil der Charme des Originals mit seinen irrwitzigen Entwicklungen und kameratechnischen Bravour-Stücken abhanden gekommen ist: statt schwarzem Humor bekommen wir hier die meiste Zeit über blutig ernsten Folter-Horror geboten, wobei es ziemlich egal ist, ob sich jemand selbst verstümmelt oder mit der Nagelpistole auf die Nebenmenschen losgeht. Die Überdosis an Body-Horror kann aber in einer Generation von Filmeschauern, die mit „ Hostel“ und „Saw“ groß geworden sind, keinen wahren Appetit auf diesen Film hervorrufen. Auch durch die fast im Monats-Takt auf den Markt kommenden Exorzismus-Filme will sich keine rechte Freude an Personen einstellen, die innerlich von Dämonen gebeutelt werden, äußerlich zusehends verwahrlosen und fallweise Blutfontänen kotzen oder sonst wie auslaufen…

Selbstverständlich kopiert Alvarez die berühmteste Einstellung des Originals: auch hier brettert das losgelöste Kameraauge in Dämonenperspektive durch den Wald, aber das Böse bekommt ein konkretes Gesicht verliehen, was nicht unbedingt zu den geglückten Innovationen zählt – eine unsichtbare Bedrohung war viel wirkungsvoller.

Während ein Film wie „Cabin in the Woods“ klug mit den diversen Horror-Versatzstücken umzugehen wusste und eine ähnlich verspielte Originalität entwickelte wie das ursprüngliche „Evil Dead“, gerät hier alles todernst mit einer geradezu ärgerlichen Verbissenheit (in Menschenfleisch natürlich). Wer sich jedoch an den reichlichen Gore-Effekten bald übersättigt hat, wird kaum noch mit der Wimper zucken, sobald jemand ein elektrisches Küchenmesser in Gang setzt, um sich beherzt den Arm abzusäbeln oder gleich gar die Motorsäge anwirft. Wirklich nahe zu gehen scheint den Figuren allerdings folgender Umstand: Die Freuden der Selbstamputation werden durch die limitierte Anzahl der menschlichen Gliedmaßen begrenzt. Warum hat man nicht an sofort nachwachsende Arme und Beine gedacht? Dann hätte der Film mindestens 30 Minuten länger sein können.

Die wirklich überwältigende Erkenntnis dämmert uns spätestens, als sich eine der blutverkrusteten Gestalten durch die Röhre eines Fuchsbaus zwängt: inoffiziell gibt es bereits ein wirklich würdiges Remake von „Evil Dead“, das Lars von Trier mit seinem „Antichrist“ zuwege gebracht hat. Ich vergebe 7 von 10 möglichen Ratgebern für fachgerechte Selbstverstümmelung.