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filmkritik
08/17/2017

"Das Gesetz der Familie": Vater gegen Sohn

Das Spielfilmdebut vom britischen Regisseur Adam Smith feierte seine Premiere auf dem Toronto Internationl Filmfestival.

Die Familie Cutler lebt als Außenseiter auf einem Feld außerhalb von Gloucestershire. Das Familienoberhaupt Colby (Brendon Gleeson) versucht, die ihm seit Generationen weitergegebene Wandervolkmentalität beizubehalten und verbietet jedem den Austritt aus der Community. Sein Sohn Chad ( Michael Fassbender) wünscht sich eine anständige Schulbildung für seinen Sohn Tyson und will mit seiner Familie wegziehen. Als er nach einem Raubüberfall von der Polizei gesucht wird, setzt er alles für seine Kinder aufs Spiel.

Millieustudie

Der Generationskonflikt steht bei „Das Gesetz der Familie“ im Mittelpunkt. Die Verantwortung, die von Vater zu Sohn weitergereicht wird, wird für Chad immer mehr zur Bürde und er beschließt auszubrechen. Das Drama ist sehr dicht und spannend erzählt, lässt jedoch in einigen Momenten jegliche Logik vermissen. Die Figuren sind teilweise nicht nachvollziehbar, weshalb es oft schwer ist, mit ihnen empathisch zu sein. Man erkennt, dass dem Drehbuch eine umfangreiche Recherche zu Grunde liegt. Neben einer genauen Millieustudie, besitzt die Geschichte eine große emotionale Wucht, die trotz der Logiklücken das Publikum in ihren Bann zieht.

Fassbender Fehl am Platz

Trotz seiner guten darstellerischen Leistung ist Michael Fassbender einer Fehlbesetzung. Er wirkt wie ein Fremder in der eigenen Familie, sowohl äußerlich als auch geistig unterscheidet er sich massiv von seinem Umfeld. Neben den beiden Rumtreibern Brendan Gleeson und Sean Harris gleicht Fassbender einem bürgerlichen Familienvater mit Hang zum Alkohol, der auf die schiefe Bahn geraten ist.

Musik von Chemical Brothers

Das Drehbuch stammt von Alastair Siddons, der auch als Produzent mit an Bord war. Den Regiestuhl übernahm der hauptsächlich durch Musikvideos und TV-Serien bekannte Regisseur Adam Smith. Neben einigen Folgen für „Doctor Who" dreht er auch seit den 90er Jahren die Musikvideos für „Chemical Brothers“, unter anderem das inzwischen Kult gewordene Video für „Galvanize“. Die Musik zum Film stammt ebenfalls von der britischen Elektro-Band. Leider lässt „Das Gesetz der Familie“ die Virtuosität seiner Musikvideos vermissen.

Das Gesetz der Familie“ funktioniert als berührendes Familiendrama mit einem starken Ende und kann vor allem durch die existentiellen Konflikte überzeugen.

Özgür Anil

Nachdem ein Mann, der ständig auf der Flucht vor der Polizei gelebt hat, Vater geworden ist, möchte er seinem Kind ein normales Leben ermöglichen.