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Filmkritiken
11/28/2018

"Das krumme Haus": Eine höchst verdächtige Familie

Agatha Christie hat ihren 39. Krimi besonders geschätzt und diese geglückte Verfilmung lässt das nachvollziehbar werden.

Jeder ist hier ein potentieller Mörder – abgesehen vom Gärtner, denn der kommt gar nicht vor. Da sich Agatha Christie dieses Verbrechen ausgedacht hat, wird man dem wahren Täter nicht so leicht auf die Spur kommen (außer man ist es selber gewesen).

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Ein Giftmord

Charles Hayward, ein ehemaliger Diplomat, der sich nun sein Geld als Privatdetektiv verdient, wird mit einem heiklen Fall betraut, bei dem diplomatisches Geschick nicht schaden kann. Der schwerreiche und sehr unbeliebte Patriarch Aristide wurde vergiftet, und der/die Mörder(in) findet sich zweifellos unter den Familienmitgliedern, von denen jeder ein Musterbeispiel an Egozentrik und Exzentrik ist. Charles beginnt also mit seinen Nachforschungen auf dem herrschaftlichen Anwesen der Leonides und weiß gar nicht, wen er zuerst verdächtigen soll.

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Alle Verdächtigen

Da gibt es die schießfreudige Lady, das neugierige kleine Mädchen, den hinkenden zynischen Jungen, eine erfolglose Schauspielerin und erfolgreiche Alkoholikerin, einen spielsüchtigen Historiker, einen unfähigen Geschäftsmann, eine junge Witwe, mit halbseidener Vergangenheit, einen Hauslehrer, der seine Kompetenzen ziemlich überschreitet, sowie eine verführerische junge Frau, die dennoch eine Mörderin sein könnte.

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Ein blasser Ermittler

Diesmal steht kein herausragender Ermittler vom Schlag eines Hercule Poirot oder einer Miss Marple im Mittelpunkt, sondern der junge Detektiv (Max Irons) bleibt eher blass und eine Nebenfigur. Stattdessen punktet der Film durch seine düstere Atmosphäre und die unsympathischen Familienmitglieder, von denen jeder einen anderen Knacks hat: sie werden durch Bosheit, Neid, Eifersucht oder Habgier angetrieben. Ihre Darsteller geben sich die größte Mühe, möglichst widerlich zu erscheinen -  und haben tatsächlich Erfolg darin. Glenn Close als standesstolze, wehrhafte alte Lady führt beim Abspann zu Recht die Besetzungsliste an, aber auch Gillian Anderson zeigt wieder einmal, welche wandlungsfähige Schauspielerin in ihr steckt.

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Spannendes Miträtseln

Der Film ist nicht unbedingt anspruchsvoll und weist auch keine psychologischen Feinheiten auf, erfüllt jedoch perfekt seinen Zweck, indem er eine konstant hohe Spannung erzeugt und wir wollen unbedingt wissen, wie es weitergeht. Nur manchmal droht die erzählerische Ökonomie zu versagen. Da wird beispielsweise suggeriert, 18 Monate früher habe sich in Kairo eine wichtige Vorgeschichte ereignet und nach ein paar Rückblendungen beginnen wir schon zu fürchten, dass sich die Hälfte der Filmhandlung in solcher Vor-Vergangenheit abspielen wird. Das ist zum Glück nicht der Fall, und auch die zwei oder drei Rückblenden wären vermeidbar gewesen, weil ein paar kurze Sätze alle nötigen Erklärungen geliefert hätten.

3 ½ von 5 tödlichen Kakaogetränken

franco schedl

In dieser Agatha-Christie-Verfilmung muss ein Ex-Diplomat als Privatdetektik einen Giftmord klären und bekommt es mit einer exzentrischen Familie zu tun.