Filmkritiken
08/19/2014

DEM TORNADO INS AUGE GEBLICKT

EF5 – das klingt vielleicht nach einer neuen Massenvernichtungswaffe aus dem Chemielabor oder es könnte auch ein Hightech-Schießprügel mit unbegrenzter Feuerkraft sein. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um eine absolut natürliche, aber darum nicht weniger tödliche Gewalt, die dabei herauskommt, wenn Mutter Natur einmal besonders schlecht aufgelegt ist. EF5 steht nämlich für einen Tornado mit dem höchsten Wert auf der sogenannten Enhanced Fujita-Skala - und da sprechen wir immerhin von Spitzengeschwindigkeiten über 300km/h. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen will oder muss einem Tornado von dieser Stärke ins Auge blicken – und für einige von ihnen wird es das Letzte sein, was sie in ihrem Leben zu Gesicht bekommen.

Wenn der Tornado mit Brachialgewalt über die Leinwand wütet, pfeift einem auch beim Zuschauen der Sturmwind förmlich um die Ohren und die künstlich entfesselten Naturgewalten sind tatsächlich die wahren Hauptdarsteller. Dass wir uns aber auch mit ein paar menschlichen Akteuren abgeben müssen, wird zum Schwachpunkt des Films – dessen Prämisse besteht nämlich darin, dass hier jeder jeden filmt, weil Regisseur Steven Quale möglichst viel aus der Ego-Perspektive einfangen wollte.

Ein 16jähriger Junge legt z.B. eine Zeitkapsel für ein Intervall von 25 Jahren an und veranlasst alle in seiner Umgebung zu kurzen Statements, weshalb wir in den ersten 15 Filmminuten ständig neue Gesichter nebst dazugehörigen Namenseinblendungen geboten bekommen, obwohl wir uns garantiert niemanden davon merken werden.

Außerdem gibt es noch ein paar dämliche Jackass-Typen, die selbstverständlich für jeden „crazy shit“ zu haben sind und daher bald mit – vorerst noch – funktionstüchtigen Helmkameras durch die Luft wirbeln; und bei ihrem Dussel überleben sie die irre Aktion womöglich sogar.

Am Plausibelsten ist wirkt Griff zur Kamera noch bei den professionellen Sturmjägern. Deren Boss ist nach frustrierenden Monaten endlich am Ziel seiner Träume angelangt, denn der Monstertornado bewegt sich auf den kleinen Ort Silverton zu. Dort lauert der Mann mit seiner Kamera-Crew in einem angeblich tornadosicheren Panzermobil und hofft sehnsüchtig auf die große Verwüstung - und die lässt wirklich nicht lange auf sich warten. Häuserzeilen werden wie Streichholzbauten umgeknickt, geparkte Passagierflugzeuge torkeln plötzlich unkontrolliert über den Himmel und Menschen geraten in üble Situationen, wodurch sich einige unwahrscheinliche Rettungen in letzter Sekunde sowie viele tolle Aufnahmen ergeben. Auf unserer EF(Erfreuliche Filme)-Skala ergibt das eine Stärke von 7.

Innerhalb eines Tages wird die Stadt Silverton von dem beispiellosen Angriff eines Tornados verwüstet.