Filmkritiken
11/09/2014

DER HIRSCH IST LOS

Manche Filme haben eine so ungewöhnliche Entstehungsgeschichte, dass man gerade darüber einen eigenen Film drehen müsste. Da gibt es zum Beispiel den deutsch-türkischen Schauspieler George Inci, der 16 Jahre in die Entwicklung eines Drehbuchs mit dem Titel „Hirschen“ steckte und dann von den diversen Geldgebern in Stich gelassen wurde, was dazu führte, dass er fast im Alleingang sein ambitioniertes Spielfilmprojekt auf die Beine stellte, für Produktion, Kameraführung, Bildschnitt, ja sogar Filmmusik (eine Art „Global Folk“) verantwortlich war und eine Arbeitsform entwickelte, die er „intuitives Filmen“ nannte. Als Partnerin bei diesem Wahnsinnsunterfangen konnte er allerdings auch noch Beatrice von Moreau, eine Münchner Berufskollegin, gewinnen.

Dabei haben wir das Erstaunlichste aber noch gar nicht erwähnt: als es nämlich darum ging, passende Drehorte und Darsteller zu finden, erlebte ein Dorf in Osttirol namens Außervillgraten seine große Stunde. Die Mitglieder der örtlichen Theatergruppe übernahmen spontan die Hauptrollen und die 800 Einwohner unterstützen das Projekt auch sonst in jeder nur denkbaren Weise. Herausgekommen ist bei dieser „kreativen Explosion“ eine ausgefuchste Komödie vor uriger Landschaft, denn die Figuren des fiktiven Dörfchens Hirschen entwickeln zur Sicherung ihrer Zukunft eine ähnlich unbändige Energie bzw. Phantasie wie die beiden Filmemacher. Eigentlich existieren ja sogar zwei Fassungen - eine in Tirolerisch und eine im sogenannten "Tiroler Bergenglisch" (wobei die zweitere zweifellos ein noch größeres Vergnügen verspricht). Es wäre zu wünschen, dass dieses Beispiel des intuitiven Filmens Schule macht.

Die Bewohner von Hirschen wollen sich und ihre Region nicht aufgeben und greifen zu nicht ganz legalen Mitteln, um ihre Existenz zu sichern.