Filmkritiken
03.10.2012

DER PRÄSIDENT MIT ALLZWECK-AXT

Ein Russe dreht einen Film über den 16. Präsidenten der USA und stellt ihn als wilden axtschwingenden Kerl dar, dessen wahre Bestimmung in der Jagd nach Vampiren besteht. Was zu Zeiten des Kalten Krieges noch eine unerbittliche Kapitalismus-Kritik ergeben hätte (die westliche Welt ist von Blutsaugern überschwemmt), kommt nun in Form eines politisch eher unbedenklichen Jump & Run-Spaßes daher (aber zumindest treffen wir auf vampirische Sklavenhalter) und ist den Gesetzen des populären Kinos amerikanischer Machart, sowie Tim Burtons Unterstützung als Produzent verpflichtet.

In Seth Grahame-Smiths Adaptation seines gleichnamigen Bestsellers für die Kinoleinwand begegnet uns ein zum Action-Star hochstilisierter Lincoln – sozusagen der erste Superheld des Landes. Das Präsidentenamt ist zwar anstrengend genug und ein wahrer Fulltime-Job, doch der wichtigste Mann im Staat scheint sich das Schlafen abgewöhnt zu haben und greift seit frühester Jugend nach Einbruch der Dunkelheit viel lieber zur Allzweck-Axt, um ein paar Untote zu fällen, die gar nicht so leicht erkennbar sind, weil sie sich perfekt getarnt ins Alltagsleben integriert haben. Daher hält ihn seine Vampir-Hatz auch über einen Zeitraum von 4 Jahrzehnten beschäftigt, und der kampfsporterprobte Darsteller Benjamin Walker darf mitaltern, ohne seine Beweglichkeit zu verlieren.

Grahame-Smiths versteht etwas vom Erzählen und verzahnt die Story mit wichtigen historischen Ereignissen: Eine Gabel aus dem Silberbesteck des Präsidenten entscheidet beispielsweise über den Ausgang des Bürgerkriegs und es kommt in und auf einem dahin rasenden Zug Richtung Gettysburg, wo die legendäre Schlacht stattfinden wird, zum letzten Kampf mit dem Ober-Vampir und seinen Handlangern. Ein weniger begabter Regisseur hätte kaum die Gefahr der Lächerlichkeit vermeiden können, sobald ein ältlicher Lincoln auf dem Dach eines fahrenden Zuges dahinturnt, um Vampire zu töten, doch Regisseur Timur Bekmambetov brachte dank „Wächter der Nacht” (2004) und „Wächter des Tages” (2006) nicht nur ausreichend Erfahrung im Fantasy-Genre mit, sondern verfügt außerdem über genügend inszenatorisches Geschick. Daher lässt er auch bei einer so überzeichneten Szene keinen Gedanken an Unglaubwürdigkeit aufkommen, sondern nützt die CGI-Effekte perfekt und verhilft der 3D-Technik zur optimalen Entfaltung (besonders gelungen in dieser Beziehung ist auch die wilde Flucht einer aufgescheuchten Pferdeherde).

Für ihre unkonventionelle Doppelstunde in Geschichte haben sich Bekmambetov und sein Team acht silberne Kreuze an einer Knoblauchkette verdient.