Der Damm (1964)

 BRD 1964
81 min.
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Der Bezug zu Jandl kommt nicht von ungefähr. Franz Mon, wie Jandl Vertreter der Konkreten Dichtung und zusammen mit diesem Verlagsgründer, gab 1960 die Anthologie «Movens. Dokumente und Analysen zur Dichtung, bildenden Kunst, Musik, Architektur» heraus. Hans Magnus Enzensberger hob in «Die Aporien der Avantgarde» [siehe Fußnote 19 des Haupttextes] folgende in der Anthologie gegebenen Charakteristika des Tachismus, der Konkreten Poesie und anderer Künste hervor: Improvisation, Zufall, Ungenauigkeitmoment, Austauschbarkeit, Unbestimmtheit, Leere. Damit lässt sich auch Kristls Der Damm charakterisieren. Kristl gelang es, unzugehörig wie er immer sein wollte, literarischen Vergleichen auszuweichen. Er verweigerte sich mit Der Damm inhaltlicher und selbst metaphorischer Konkretisierung (wie in Arme Leute) und zugleich den seriellen und sonstigen Konstruktionen, die die Konkrete Poesie organisierten und als Bauweise dem Verständnis ein Gedankengerüst zur Verfügung stellten. Der Titel «Movens» verweist darauf, dass es in der Kunst eine strukturelle Bewegung gibt, die ihre Energie nicht nach außen lenkt, sondern innen wirksam wird. Kristls Autorennen, sein groteskes Vermurksen jeden zielgerichteten Aufwandes, steht mit Der Damm ein Film zur Seite, der zu dem gleichen Ergebnis ohne Auto und Rennstrecke und stattdessen mit struktureller Anarchie gelangt.

(Text: Viennale 2006)

Details

Petra Krause, Felix Potisek, Vlado Kristl, Erich Glöckler, Uwe Nettelbeck
Vlado Kristl
Gerard Vandenberg
Vlado Kristl

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