Der Viennale-00-Trailer: SB

 USA 2002
Kurzfilm 
film.at poster

Nach den großen amerikanischen Avantgardisten Bruce Baillie und Jonas Mekas hat die VIENNALE in konsequenter Fortführung einer formidablen Idee diesmal einen weiteren radikalen Vertreter des experimentellen Films eingeladen, den Trailer zum Festival gestalten. Während Steven Spielberg derzeit gut zweieinhalb Stunden braucht, um die Macht des Blicks noch nicht einmal besonders nachhaltig in Frage zu stellen, ist das für Stan Brakhage eine Sache von gerade einmal 50 Sekunden. Ohne Ton und handgemalt. Es beginnt infernalisch in Gelb-Rot, mit Verunreinigungsspuren, deren genaue Struktur auszumachen nicht genug Zeit bleibt, weil sich das Bild schneller ändert als ihm das Auge folgen kann. Es folgen ein Tanz der Farben, Formen, Fehler, in einer Geschwindigkeit, die der lyrischen Wirkung des Resultats zu spotten scheint. Farbflecken, rasend, mutierend: Brakhage montiert seine Bilder, die durchs hellste Licht und tiefste Dunkel führen, samt ihrer Entstehungsgeschichte: Davon erzählen die Stiftkratzer und Pinselstriche, die Siebdruckraster und Kopierfehler, die ganzen Störungen, die im Aufblitzen noch einmal eine eigene, widerborstige Erzählung in die berauscht pulsierenden Collage-Tapeten ritzen. Es ist dieser frenetische Pulsschlag, der Brakhages explosive Miniatur zusammenzuhalten scheint: Sonst würde sie der Sog der potenziell unendlichen Information, die sich beständig vor dem Auge wandelt, wahrscheinlich zerstieben lassen. Die absolute Essenz von über einem Jahrhundert Kinogeschichte: Montage, Farbe, Licht. Und die so genannte Handlung, das ist auch ein Vorteil, bleibt der Imagination des Publikums überlassen. Am Schluss dann: ein schnelles Aufatmen, ganz in Schwarz. Und sechs Kader einer flüchtigen Signatur, fast wie ein Verklingen: SB. Dieser Festival-Trailer ist eigentlich doch ein Tonfilm: ein Musikfilm, genaugenommen. (Christoph Huber) Der Film, den Stan Brakhage für die VIENNALE gemacht hat, trägt als lakonischen Titel seine eigenen Initialen, SB, und ist Teil jener «handpainted films», die Brakhage seit Jahren immer wieder durch spezifische Materialbearbeitung hergestellt hat. Es ist ein stummes, farbiges Stück reinsten Rhythmus, eine freie, schwebende, leuchtende Folge von Bewegung und Farbe. Im Getöse des großen, verschwenderischen Kinos ist dieses filmische Haiku ein besonderes Geschenk des Filmemachers Stan Brakhage. (Emil Kuzmanov)

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Stan Brakhage

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