Filmkritiken
22.01.2013

DIE BAD-ASS TRUPPE AUS L.A.

Noir Filme á la „L.A. Confidential“ haben einen unverwechselbaren Stil, der ein gewisses Filmpublikum begeistern kann. „Gangster Squad“ fasst die grundlegenden Elemente gekonnt zusammen, dennoch kommen zeitgemäße wuchtige Actioneffekte hinzu, was unter anderem an der Brutalität einzelner Szenen erkennbar ist. Man könnte meinen, dass heutzutage weniger Gewalt bereits wieder mehr ist: auf Köpfe eindreschende Hämmer und abgetrennte Gliedmaßen kennt man ohnehin schon aus sämtlichen Blickwinkeln. Dennoch passt die drastische Blutschau in diesen Film ganz gut hinein – Gangster sind eben nicht zahm, auch wenn sie einstmals fescher gekleidet und (abgesehen von den krummen Geschäften) ganz galante Typen waren. Und seien wir ehrlich: die Realität war wohl um einiges brutaler.

Die Geschichte spielt im Los Angeles von 1949. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschen in der Stadt der Engel Korruption und Gewalt. Gangsterboss Mickey Cohen befindet sich im Rausch der Macht und möchte neben seinen Drogen-, Waffen- und Prostitutionsgeschäften seine Herrschaft ausbauen, indem er ein die Westküste Amerikas umspannendes Wettimperium errichtet. Damit wäre der Ex-Boxer so gut wie unantastbar. Schließlich hat er sich mit Geld schon die meisten Politiker und Polizisten erkauft. Der Korruption verachtende Polizeichef Parker ruft indes eine Spezialeinheit ins Leben, deren Führung der furchtlose Weltkriegs-Veteran Sergeant John O’Mara übernehmen soll. Nach dem Motto „Keine Marken! Keine Namen! Kein Erbarmen!“ rekrutiert er mit seiner Frau die passenden Männern für seinen Kampf gegen Cohen.

Der Film besticht durch seine authentischen Schauspieler. Josh Brolin nimmt man die Rolle des unerschrockenen Polizeichefs sofort ab. Diesen Bad-Ass Cop kann nichts und niemand von seiner Mission abbringen! Ryan Goslings unschuldige Figur wehrt sich anfänglich gegen eine Heldenrolle, erst als es um eine bezaubernde Frau (Emma Stone) geht, erwacht in ihm der charmante und doch gnadenlose Kämpfer, der gekonnt Gangster umnietet. Der Rest des Squads ist ebenfalls mehr als gut besetzt und doch bleibt es den Darstellern verwehrt, ihren Figuren wirklich Charakter zu verleihen. Zum Schluss sei noch Sean Penn erwähnt. Der spielt den Gangster-Oberfiesling mit wenigen Worten und grimmigen Blicken mehr als einschüchternd. Obwohl sein rollenbedingtes Gesichts-Make-Up seine Mimik ziemlich beeinträchtigt, bekommt man als Zuschauer bestimmt eine Gänsehaut. Höhepunkt des Filmes ist natürlich der Showdown zwischen ihm und Josh Brolin. Eines sei verraten: Der gute alte Faustkampf wirkt hundertmal spannender als ein sinnloses Patronenfeuerwerk!

„Gangster Squad“ ist sicher kein stilechter Krimi-Noir, sondern eher ein moderner Gangsterfilm mit dem Charme der 1950er, einer guten Portion Humor und jeder Menge Action! Ruben Fleischers Werk basiert auf dem Sachbuch von Paul Lieberman und verdient sich 8 ausgebeulte Al Capone-Hüte.