Filmkritiken
21.01.2015

DIE ERFINDUNG DES COMPUTERS IM ABWEHRKAMPF GEGEN DIE NAZIS

Heute nennt man sie Computer. Diese Maschine, die der britische Mathematiker Alan Turing liebevoll "Christopher" taufte (nach seiner verstorbenen Knabenliebe). "Christopher", die Rechenmaschine, half dem britischen Geheimdienst, den Code des Verschlüsselungsapparats "Enigma" der Deutschen zu knacken.

Ein historischer Stoff, aus dem die Oscars sind. Gleich acht Nominierungen heimste das englischsprachige Debüt des norwegischen Regisseurs Morten Tyldum ein – und an der Brillanz des Filmes kann es nicht liegen. "The Imitation Game" ist brav-biederes Historienkino mit relativ simpel gestrickten Spannungsverläufen. Draußen tobt der Krieg in Form von Wochenschaubildern, drinnen brütet eine Gruppe Wissenschafter im Kampf gegen die Zeit.

Immerhin brilliert Verwandlungskünstler Benedict Cumberbatch – oft in bester "Sherlock"-Manier – als Mathe-Genie Turing, ein genialer, sozial unverträglicher Geselle. Seine schroffe Art wird nicht zuletzt mit seiner unterdrückten, damals noch strafbaren, Homosexualität erklärt, die der Film ansonsten dezent im Hintergrund hält. Alexandre Desplats – ebenfalls Oscar-nominierte – Musik perlt allzu aufdringlich vor sich hin, um Turings innere Unruhe zu illustrieren. Trotzdem entwickelt Cumberbatchs intensives Spiel große Sogkraft und zieht einen mitten hinein in seinen atemlosen Kampf mit dem Verlauf der Geschichte.