Filmkritiken
10/23/2013

DIE RACHE DES CHEESBURGERS

Schrimpansen, Flamangos, Tacodile und Frittantula – willkommen im Dschungel der Wildtier-Früchte. Wo einst im Jurassic Park die Saurier grasten, spazieren nun Kiwi-Nilpferde und Wassermelofanten. Fiepende Erdbeeren, fischende Zucchini und aggressiver Knoblauch runden den wilden Früchte-Mix von Sonys Animations-Hit zu einer irrwitzigen Fortsetzung ab. In quietschbunten Farben entfaltet sich ein psychedelisches Kochbuch-Universum, in dem wild gewordene Lebensmittel plötzlich Tierform annehmen, durch Honigsümpfe stampfen und auf Zuckergussgebirge klettern.

„Wolkig“ Teil zwei schließt nahtlos dort an, wo das erste Abenteuer endete. In Teil eins hatte Flint Lockwood, seines Zeichens genialer Erfinder, eine Maschine hergestellt, die Wasser in feste Nahrung verwandeln konnte; in der nicht mehr ganz so kreativen, aber immer noch sehr ausgeflippten Fortsetzung kommt es nun zu beunruhigenden Lebensmittel-Tier-Mutationen.

Auf Geheiß eines zwielichten Professors macht sich Lockwood mit einer Truppe Freunde auf den Weg zu der Insel, wo nun die Nahrungsungeheuer hausen. Und tatsächlich: schon galoppiert ein wild gewordener Cheeseburger auf seinen Pommes-Frites-Beinen ums Eck und reißt sein blutiges Ketchup-Maul auf, bis das Salatblatt wackelt.

Die Szene sieht aus wie eine McDonald’s-Werbung im Drogenrausch. Wie überhaupt das gesamte Food-Design stark an alle möglichen Nahrungsmittel-Franchises – von McDonald’s bis Taco Bell – erinnert.

Im Angesicht des brüllenden Fleischlaberls nehmen Flint und seine Freunde naturgemäß kreischend Reißaus. Doch dann stellt sich heraus, dass der Burger ganz zutraulich wird, wenn man ihm die Semmel krault. Kurzum: Die wilden Früchtchen entpuppen sich als herziges Hüpfgemüse, mit dem sich schnell Freundschaft schließen lässt. Ob man daraus irgendwelche moralischen Schlüsse über (genmanipuliertes?) Essen ziehen soll? Keine Ahnung.

Doch die elastische Animation reicht für ein trippiges Kinoerlebnis im Reich des Cheeseburgers, wo Honig fließt und die Marshmallows grinsen.