Filmkritiken
03/21/2018

"Die Sch'tis in Paris": Dany Boon bringt den komischen Akzent zurück

Dany Boons neue Regiearbeit kommt nicht ganz an die herzerwärmende Komik seines ersten Sch’ti-Films heran.

Die Nordfranzosen mit dem komischen Akzent haben Dany Boon vor einem Jahrzehnt zu einem Filmhit verholfen. Kein Wunder, dass er dieses Erfolgsrezept jetzt wieder aufgreift – bloß diesmal mit umgekehrten Vorzeichen: die Sch’tis erhalten keinen Besuch aus der Provence, sondern begeben sich selber bei einem Parisbesuch auf unvertrautes Terrain.

Besuch aus dem Sch'ti-Land

Valentin D. (natürlich Boon) hat es tatsächlich geschafft: innerhalb weniger Jahre ist er zum gefeierten Innenarchitekten geworden und kreiert gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin unglaublich hippe Möbelstücke, deren Verwendung geradezu artistisches Geschick erfordert und garantiert einen Besuch beim Chiropraktiker nach sich zieht. Nur über seine Herkunft schweigt sich Monsieur D. lieber aus, denn bevor er zugibt, dass er aus dem Sch’ti-Land stammt, wo seine Eltern immer noch leben, macht er sich lieber zu einem Vollwaisen. Natürlich kommt es dann so, wie es sich für eine echte Komödie gehört: die jahrzehntelang verleugneten Verwandten statten ihm einen Überraschungsbesuch ab und benehmen sich in der stinkfeinen Pariser Gesellschaft wie unerfahrene Landeier, die alle mit ihrer peinlichen Aussprache irritieren. Der beschämte Valentin wird erbarmungslos mit seiner Herkunft konfrontiert, doch wenig später holt ihn dann die Vergangenheit nach einem Unfall auf eine noch viel ungewöhnlichere Weise ein.

Die richtige Stimm-ung

Wirklich nicht zu beneiden sind alle, die an der Synchronisation dieses Films mitwirken. Welchen Dialekt werden sie wohl für die französische Mundart wählen? Lassen sie die Sch`tis im breitesten Berlinerisch quasseln oder verpassen sie ihnen einen Vorarlberger Zungenschlag, weil das nun einmal unsere Sch’tiberger sind? Auf jeden Fall verliert der Film dadurch bestimmt sehr viel von seinem Charme und sollte unbedingt in der Originalfassung gesehen werden. Schließlich bekommen wir ungefähr in der Halbzweit sogar einen Crashkurs in Sch’tiisch geboten.

Pierre Richard als Strohwitwer

Eine weitere Besonderheit an diesem Werk ist sicher das Mitwirken von Pierre Richard. Als Valentin D.s kauziger Vater hat er leider nur in wenigen Szenen etwas zu tun und darf uns mit ganzem Körpereinsatz vor Augen führen, wie schlecht er sich als Alleinversorger im Haushalt zurechtfindet. Immerhin erhält er beim großen Finale noch die Gelegenheit, ein Lied anzuSCH’TImmen. Einen noch kürzeren Auftritt absolviert Kad Merad, aber wie man dann bei den Nachspann-Hoppalas erkennt, kann auch das Aussprechen eines einzigen Satzes zu erheblichen Drehverzögerungen führen.

Überraschungsfoto

Dany Boons neue Regiearbeit kommt nicht ganz an die herzerwärmende Komik seines ersten Sch’ti-Films heran (die ewigen Möbelwitze sind bald nur noch nervig), bietet aber immer noch ein höchst vergnügliches Sprach-Spiel. Es lohnt sich übrigens, im Kino bis ganz zuletzt auszuharren, denn nach Abrollen der Credits wird noch ein besonderes Foto eingeblendet, bei dessen Anblick zumindest Valentin D. in hemmungsloses Weinen ausbrechen dürfte.

7 von 10 gemütlischen Sitzgeleschenheiten

franco schedl