Filmkritiken
10.04.2011

DIE SCHÖNE UND DAS BEASTLY

Kyle Kingson ist ein ganz spezieller Teenager: während seine Altersgenossen höchstens über hartnäckiger Akne zu klagen haben, wird das Gesicht des arroganten reichen Schönlings über Nacht in eine abscheuliche Fratze verwandelt, weil er zu einer Mitschülerin mit Hexen-Look (und eben solchen Kräften) nicht nett genug gewesen ist. Als Angehöriger eines Naturvolks würde er mit dem neuen Narben- und Tattoo-Schmuckmuster nicht weiter auffallen, doch für den New Yorker Jungen bedeutet der Hexenfluch eine erhebliche Belastung und sein noch viel oberflächlicherer Vater schiebt Kyle umgehend in ein abgelegenes Apartment ab, wo sich fortan ein farbiges Hausmädchen und ein blinder Lehrer um ihn kümmern.

Wie es sich für ein echtes Märchen gehört, bleibt noch Hoffnung auf Erlösung, falls er innerhalb von Jahresfrist ein Mädchen trifft, das ihn trotz aller Verunstaltungen liebt; ansonsten trägt er das Ergebnis der Antischönheitsbehexung fürs restliche Leben mit sich herum. In der bezaubernd bescheidenen früheren Mitschülerin Lindy (Vanessa Hudgens) scheint er eine ideale Fluch-Brecherin gefunden zu haben, die er sich, durch ziemlich unglaubwürdige Begleitumstände veranlasst, ins Eigenheim holt und nach allen Regeln der neuerlernten Flirtkunst unter falscher Identität bezirzt.

Alex Pettyfer hat sich offenbar auf problematische Jugendliche spezialisiert, denen ein normaler Highschool-Besuch versagt bleibt. Hatte er gerade eben als gejagter Außerirdischer Nummer Vier besondere Innenkräfte an den Tag gelegt, wird ihm nun als normaler Menschenjunge ein äußerliches Stigma aufgedrückt, das ihn ebenso ins Abseits drängt. Sogar die jeweiligen Aufpasser/Lehrmeister an seiner Seite sehen sich in beiden Filmen ähnlich, obwohl sie von anderen Darstellern verkörpert werden. Und Pettyfer bekommt, wie’s scheint, als zusätzlichen Bonus auch immer die nettesten Mädchen.

Drehbuchautor und Regisseur Daniel Barnz wurde nach seinem 2008 am Sundance Festival gezeigten und gefeierten Regiedebüt „Phoebe im Wonderland“ erneut mit einem Stoff konfrontiert, der in Fantasybereiche hineinspielt. Basierend auf dem gleichnamigen Werk der Jugendbuch-Autorin Alex Flinn sollte ein vertrauter Mythos aus einer neuen Perspektive beleuchten werden, ohne dabei „ins Genre einer Comicverfilmung zu rutschen, oder einen watteweichen Erzählton anzuschlagen“. Allem guten Willen zum Trotz wurde Barnz seinem Vorsatz nur bedingt gerecht, denn die sanfte Romanze hat zwar nichts Comichaftes an sich (was ihr, um etwas Fahrt zu gewinnen, überhaupt nicht geschadet hätte) sondern entwickelt mit ihrer glattpolierten Oberflächlichkeit über weite Strecken die Aussagekraft eines Fotoromans.

Dennoch verdient „Beastly“ nicht eine derartige Ablehnung, wie sie dem Werk offenbar von den meisten Seiten entgegenschlägt. Zu ein paar netten Ideen, wie etwa das veränderliche Tattoo auf der Hand des jungen ‚Wilden‘ oder das selbstgebaute Gewächshaus am Hausdach, gesellt sich das humorvolle Spiel des sarkastischen Blinden (Neil Patrick Harris). Und was die beiden Hauptdarsteller an schauspielerischem Können vermissen lassen, machen sie durch eine Allianz aus Charme und gutem Willen wieder wett. Außerdem ist die auf Gothic-Girl herausgeputzte Mary-Kate Olsen wirklich sehenswert und hinterlässt trotz ihrer wenigen Auftritte mit Sicherheit die stärkste Erinnerung an diesen Film. 7 biestige Punkte auf meiner 10stelligen Bestialitäts-Skala.