Filmkritiken
30.07.2014

EIN AUGE IM SUPPENTOPF

Ein Leichenteil reist durch den Industriekreislauf. Vom Güterzug auf die Halde, von einer Halde auf den Laster, vom Laster aufs Förderband: Ein Menschenarm, der zwischen den Kohlen liegt.

Weitere Leichenteile tauchen auf, ein Augapfel in einer Suppenschüssel etwa.

Die Polizei sucht einen Serientäter, in Verdacht gerät eine Femme fatale, ganz kalte Schönheit. Ermitteln wird ein ehemaliger Polizist, geschieden, nach einer Verwundung entlassen fristet er als Security in einer Fabrik ein Leben mit Schnaps.

Philip Marlowe oder Sam Spade standen sichtlich Pate, Autor und Regisseur Diao Yinan hat Filme wie "Die Spur des Falken" gut gesehen: Sein "Feuerwerk am helllichten Tage" ist ein chinesischer Film noir.

Visuell eindrucksvoll etwa im Nebel eines Eislaufplatzes (zu Klängen des Donauwalzers) und immer wieder grotesk mit sich drehenden Solariumlampen, unter denen eine dicke Chinesin sitzt.

Viele Episoden dieses Films bleiben seltsam funktionslos in der Erzählung.

Ein Hauptdarsteller darin auch die Stadt: Industrieviertel, Suppenküchen, Tanzparkett, weiße Autos in weißem Tunnel, die in weißen Schneematsch nach draußen führen.

Atmosphäre (und Bilder) übertrumpfen die Story in dieser kühlen Kinokunst, die bei der vergangenen Berlinale gleich zwei Bären gewann.