Filmkritiken
08.09.2011

EIN JUNGER WILDER

So schön barbarisch wie unser Arnie kann ja gar niemand anderer sein, aber geben wir der jungen Generation halt gnadenhalber doch eine Chance, auch mal ein bisschen mit ihren diversen Bi- / Tri- und sonstigen Zepsen zu spielen und ein paar Urlaute auszustoßen. Der Nachwuchswilde heißt Jason Momoa und macht als Ex-Dressman („Hawaii's Model of the Year 1999“) bzw. ehemaliges „Baywatch“-Mitglied eine gute Figur im Lendenschurz. Als unverhoffte Draufgabe hat er auch keine Probleme, sich in fehlerfreiem Englisch fließend zu artikulieren. Doch keine Angst: Das Reden bleibt auf ein Minimum beschränkt, weil Conan fast pausenlos alle Hände voll zu tun hat, sich seiner Haut zu wehren. Schon im Mutterleib musste er mit gehärtetem Stahl Bekanntschaft machen, wurde als Halbwaise von seinem Vater (Ron Perlman) zum cimmerischen Krieger erzogen und war bereits in jungen Jahren der Unbändigste von allen Zeitgenossen der hyborianischen Ära. Als Erwachsener wählt er einen machthungrigen Warlord (Stephen Lang) zum Gegner, der seinen Vater auf dem Gewissen hat und findet zwischendurch noch Zeit, sich in eine jung Nonne (Rachel Nichols) zu verlieben, die im blutigen Geschehen eine Schlüsselrolle spielt.

Der deutschstämmige Regisseur Marcus Nispel hält nach „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“ und „Freitag der 13.“ seiner Vorliebe für hämoglobinreiche Remakes die Treue. Sein aktuelles Blutgericht bleibt uns in dieser Hinsicht keinen Tropfen schuldig und ist wirklich nichts für Menschen, die kein Rot sehen können. Das Werk erzielt erwartungsgemäß beträchtlichen Schauwert durch den Einsatz von Schlachtschwertern, Streitäxten, Schädel-Spalthämmern und weiterem Kriegsgerät von anno dazumal, falls nicht gleich gar mit bloßen Händen der rohen Gewalt Genüge getan wird und Blutfontänen aufsteigen. (Um keine falschen Hoffnungen zu erwecken: mitunter müssen wir uns auch mit ein paar dezenteren Blutspritzern begnügen.)

Nispel bedient die niederen Urinstinke in uns bestens und meistert v.a. souverän eine große Gefahr: nur allzu leicht könnten nämlich die fortwährenden Kraftprotzereien dieser Barbaren-Fantasy – in den frühen 30er Jahren der Phantasie des amerikanischen Groschenheft-Autors Robert E. Howard entsprungen - ins Lächerliche kippen. Dass dem nicht so ist, verdankt sich, abgesehen von Momoas wuchtiger Präsenz, in erster Linie der Sorgfalt des Regisseurs. Von der Besetzung bis zur Ausstattung wurden lauter geglückte Entscheidungen getroffen und es ist direkt spürbar, mit welcher Liebe die Maskenbildner jede einzelne Narbe auf den Körpern der Figuren angebracht haben.

Nispel wollte zudem so wenig wie möglich auf Computereffekte zurückgreifen und fand für das mystische Vorzeitambiente in der Landschaft Bulgariens die passenden Motive, wodurch er es schafft, Conans Umwelt atemberaubend authentisch (soll heißen: alt, dunkel, magisch und gefährlich) wirken zu lassen.

In einer der gelungensten Szenen schickt eine Halbhexe (Rose McGowan), Tochter seines Widersachers Khalar Zym, Conan unzählige Sanddämonen entgegen. Hartnäckige Schwarzenegger-Freunde lassen sich bestimmt nicht so leicht Sand in die Augen streuen und werden zugeben müssen, dass bei der Wiederbelebung des Barbaren in anderer Gestalt erstklassige Arbeit geleistet wurde. Oder in Nispels Worten: „Unser Mantra für Conan lautet: ‚Die Fans bekommen, was sie wollen, aber nicht das, was sie erwarten.‘“ Dafür gehen sich auch 8 ursteirische Begeisterungstöne von 10 möglichen Altbarbaren-Fans aus.

Der Barbar kehrt in 3D zurück und tritt auf der Suche nach einem sadistischen Warlord alleine gegen Monster und ganze Heere an.