Filmkritiken
23.07.2015

EIN MANN FÜR ALLE UNMÖGLICHEN FÄLLE

Behalten Sie bitte die Ruhe, wenn Sie sehen, dass dieser Mann sich seltsam verhält und zum Beispiel an der Außenseite eines gerade abhebenden Flugzeuges hängt. Solche ausgefallenen Übungen – man nennt das wohl Himmelfahrtskommando - gehören für ihn zur Alltagsroutine, denn sein Beruf bringt sie eben mit sich. Kein Zweifel: Ethan Hunt, der Agent mit einer Vorliebe für unmögliche Missionen, ist zurück! Man kann durchaus zwiespältig zu Tom Cruise stehen und es gehört zum guten Ton, ihn nicht zu mögen, doch als Filmstar ist er sein Geld wert und sobald er obendrein als sein eigener Produzent auftritt, lässt er sich erst recht nicht lumpen, sondern sorgt für höchst intensive Actionszenen, die nervenzerfetzender nicht sein könnten.

Nachdem er anfangs in die Luft gegangen ist, führt ihn ein späterer Einsatz unter Wasser, wobei er zugleich einen neuen Weltrekord im Atemanhalten aufstellt; und bei einer wilden Motorradszene in Casablanca (selbstverständlich ist er ohne Schutzhelm unterwegs und überschreitet das Tempolimit um mindestens 200%) pfeift uns der Fahrtwind förmlich um die Ohren, was bei den derzeit herrschenden Sommer-Temperaturen eine erfreuliche Erfahrung darstellt – dummerweise kommen wir durch die spannende Verfolgungsjagd aber wieder ins Schwitzen.

Doch Cruise muss sich nicht im Alleingang gegen die Machenschaften einer mächtigen Terrororganisation namens ‚The Syndicate‘ zur Wehr setzen. Während die anderen Mitstreiter Jeremy Renner und Ving Rhames diesmal eher in den Hintergrund treten, wurde Simon Pegg zum Glück ein wesentlich größerer Aktionsradius zugestanden und so wirkt der sympathische Brite an den halsbrecherischen Unternehmungen entscheidend mit. Als Technikexperte bleibt er nicht etwa nur am Computer kleben, sondern riskiert seinen Kopf auch mal bei einem schlagkräftigen Einsatz– und das gerade an einem mitteleuropäischen Schauplatz, auf den vor allem WIR mit besonderer Spannung gewartet haben. Relativ rasch gelangen Hunt und sein Helfer nämlich nach Wien, wo sich im Verlauf einer „Turandot“-Aufführung in und vor der Staatsoper Dinge anbahnen, die zu einem schwarzen Tag für Österreich führen könnten. Legen wir zur Sicherheit schon mal unsere Staatstrauerkleidung bereit!

Abgesehen von Pegg erhält Cruise bei seinen tödlichen Auseinandersetzungen überraschende Hilfe von einer kampferprobten britischen Agentin (Rebecca Ferguson). Sie treibt ein gefährliches Doppelspiel, doch ihre Neigung für den kleinwüchsigen Kollegen geht so weit, dass sie ihm mehrfach das Leben rettet; und bei der Abseilaktion vom Dach des Operngebäudes hängt sie in seinen Armen. Überraschenderweise wirkt diese seit den Dreharbeiten wohlbekannte Szene auf der Leinwand dann ziemlich unspektakulär und ist viel zu rasch vorüber.

Auch eine andere Enttäuschung kann nicht ganz vermieden werden: Nach all den adrenalingesättigten Interventionen tut sich das Drehbuch sichtlich schwer, die Action bis zum Ende noch zu steigern, weshalb es zu einem etwas lahmen Finale kommt. Das ändert aber am Gesamteindruck kaum etwas: wer aufs Unmögliche steht, wird von dieser fünften Mission in Spielfilmlänge sicher nicht enttäuscht werden. Im Gegenteil: „Rogue Nation“ führt uns nur allzu deutlich vor Augen, dass Cruise eigentlich der bessere Bond wäre, denn er nimmt innerhalb weniger Minuten mehr Strapazen auf sich und hat verrücktere Ideen, als 007 in einem halben Dutzend seiner Filme. 8 von 10 Sturmfrisuren durch unsachgemäße Flugreisen.