EIN MORALISCH MOTIVIERTER KINDERRAUB

Die dänische Regisseurin liebt es, in ihren Geschichten mit Kontrasten zu arbeiten und führt meist zwei unterschiedliche Ebenen ein; seien es zwei verschiedene Kulturkreise wie Indien + Dänemark ("Nach der Hochzeit"); seien es zwei Paare, von denen eines ein Kind erwartet, während das andere eines adoptieren möchte ("Der einzig Richtige"). Um zwei solche Kleinfamilien geht es auch in ihrem aktuellen Drama: zwei Mal bekommen wir die Trias Vater-Mutter-Kind geboten und es ist auf den ersten Blick ganz eindeutig, wem unsere Sympathie gelten wird: Natürlich dem Polizisten (gespielt vom „Game of Thrones“-Star Nikolaj Coster-Waldau), der in ländlicher Idylle mit Frau und Baby wohnt – und nicht den Junkies, in deren Wohnung uns Szenen von unglaublicher Verwahrlosung erwarten, für die eine bestimmte Folge von „Breaking Bad“ anregend gewirkt haben könnte.

Doch es ist die besondere Kunst dieser Regisseurin, das allzu Offensichtliche in Frage zu stellen und – zu unserer eigenen Verwunderung - sind wir allmählich so weit, unser erstes Urteil zu revidieren, nachdem der Polizist in einer persönlichen Extremsituation eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat, die eine tragische Kettenreaktion auslöst. (Worin seine Entscheidung besteht, sei nur im Titel dieser Review angedeutet, damit keine Überraschungen vorweggenommen werden).

Ich würde so weit gehen, dafür 9 von 10 Punkten zu vergeben.

Zweite Chance

Zweite Chance

DK 2014

En chance til

Drama, Thriller
19.06.2015
Susanne Bier
Susanne Bier erzählt von Liebe, Gerechtigkeit und dem Verschwimmen der Grenzen zwischen Richtig und Falsch!
6.80

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