EIN ÖDES STERNENMÄRCHEN VON DEN WACHIOWSKIS

Da ihr die weit-entfernten Verwandten dummerweise nach dem Leben trachten, kommt ein genetisch manipulierter Ex-Soldat in Channing Tatums Gestalt mit Spezialschuhen angeflogen (er selber nennt das „Surfen“) und haut sie in den folgenden zwei Stunden - auf der Erde und im All und einfach all überall - aus jeder noch so großen Notlage wieder heraus. Gut so! Schließlich hat sie ständig das Pech, irgendwo hinunterzustürzen, aber weil eh immer gleich der surfende Klonkrieger vorbeirauscht und die Arme ausbreitet, kann sie sich unbesorgt auch aus der höchsten Höhe fallen lassen. Uns wird das zweifellos sehr viel früher langweilig als ihr.

Eine bestimmte Szene ist direkt aus „Brasil“ übernommen und wie um das bei Terry Gilliam wieder abzugelten, haben ihm die Wachowskis eine kleine Rolle auf den Leib geschrieben: in einer kafkaesken interstellaren Behörde setzt er als Beamter ein paar seltsame Maschinen in Gang, die er möglicherweise selber entworfen hat. Doch sogar die Beteiligung dieses unterhaltsamen Kopfes ändert nichts am hoffnungslosen Gesamteindruck. Der Film hätte zwar gerne den rasanten Witz eines der älteren Luc Besson-Filme, allen voran „Das Fünfte Element“, kommt aber dem nicht einmal auf Lichtjahre nahe. Immerhin könnte der Hass der mächtigsten Alien-Dynastie auf unsere Titelheldin ein psychoanalytisches Interesse wecken: Jupiter ist der Mutter des Oberfieslings wie aus dem Gesicht geschnitten; und da der mit dünner Stimme dahinfistelnde Leptosome seine Mama schon einstmals eigenhändig umgebracht hat, will er die lieb gewonnene Tradition nun fortsetzen.

Doch allen permanenten Gefahren zum Trotz lässt die Spannung sehr zu wünschen übrig: „Jupiter Ascending“ hat einfach keine ansprechenden Charaktere zu bieten, um deren Schicksal wir auch nur eine Sekunde bangen würden, was aber bei dieser bis zur unsäglichen Gigantomachie aufgepeppten CGI-Orgie sowieso fehl am Platz ist. Während natürlich wieder einmal die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht und praktisch im Minutentakt fremde Welten in die Brüche gehen, lässt Komponist Michael Giacchino anfeuernde Chorgesänge erklingen, die direkt aus einer Carmina Burana-Aufführung stammen könnten (warum sollte sich der für die Wachowskis arbeitende Tonkünstler nicht auch gerne von anderswoher bedienen?) 4 von 10 intergalaktischen Klobürsten.

Jupiter Ascending

Jupiter Ascending

USA 2014
Science Fiction, Abenteuer, Action
06.02.2015
Andy Wachowski, Lana Wachowski
Die Wachowskis versuchen hier einen weiten Bogen zu spannen - von Chicago bis zu den Galaxien in den unermesslichen Weiten des Alls.
5.40

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