Filmkritiken
26.02.2014

EIN PFERD UND SEIN REITER

Guillaume Canet („Zusammen ist man weniger allein“) war vor seiner Filmkarriere selbst ein talentierter Springreiter. So verwundert es nicht, dass er neben dem Drehbuch auch die Hauptrolle in der Verfilmung über Pierre Durands Leben übernommen hat, verlief seine Sportkarriere doch recht ähnlich zu der des gefeierten französischen Spring-Stars. Man nimmt ihm die Verbissenheit des ehrgeizigen Sportlers völlig ab, doch leider führt die recht schleppende Erzählstruktur zu langatmigen Szenen. Einen bitteren Beigeschmack hat das Springreiten ebenfalls, denn es fällt immer wieder durch tierquälerische Methoden negativ in der Presse auf.

Pierre Durand ist jung, smart und besessen vom Erfolg. Anfang der 80er Jahre steht er am Beginn einer brillanten Anwaltskarriere. Doch völlig unerwartet wirft er alles hin und widmet sich mit Leib und Seele seiner früheren Leidenschaft, dem Springreiten. Mit Unterstützung seines Vaters (Daniel Auteuil) setzt er alles auf ein junges Pferd, an das sonst niemand glaubt. Jappeloup gilt als zu klein, zu temperamentvoll und unberechenbar, verfügt aber über ein herausragendes Springtalent. Von Turnier zu Turnier machen Pferd und Reiter Fortschritte und finden gemeinsam Einlass in die Welt des internationalen Reitsports. Für den vom Erfolg verwöhnten Durand wird die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles dennoch zur großen Enttäuschung. Um wieder an die Spitze zu kommen, muss sich Pierre endlich seinen Schwächen und Ängsten stellen. Mit Hilfe seiner Frau Nadia (Marina Hands) und Pferdepflegerin Raphaëlle (Lou de Laâge), gelingt es ihm endlich, das Vertrauen seines Pferdes zu gewinnen und eine enge Beziehung zu ihm aufzubauen, welche sie 1988 zu den Olympischen Spielen in Seoul führt - Durands großem Traum.

Der Film hätte durchaus Potenzial gehabt ein gutes Biopic mit Schwung zu werden. Doch die sich immer wiederholenden Ereignisse – Hochmut kommt vor dem Fall – bewirken einen recht eintönigen Erzählfluss. Ein sturer, selbstverliebter junger Mann möchte mit aller Besessenheit ganz groß werden, dabei vergisst er wie einfühlsam man sein muss, wenn man mit Tieren zusammenarbeitet. Und so kommt der Tipp von Stallmädchen Raphaëlle, er solle doch beim Pferd im Stall schlafen, um eine engere Verbindung zu ihm aufzubauen, recht spät. Erst im letzten Drittel sozusagen erhalten wir den Eindruck, dass Pierre Durand eine Einheit mit seinem Pferd bildet.

Die wunderschönen französischen Landschaften sowie der romantische Pferdestall bieten uns wunderbare Augenblicke. Ja man bekommt sozusagen selbst Lust, sich auf das behufte Tier zu schwingen, um über saftige Wiesen zu galoppieren und sich danach im Sonnenuntergang ein Gläschen Sauvignon zu gönnen. Auch die Inszenierungen der Wettkämpfe und das Olympiastadion beeindrucken, ebenso wie die Sprung-Aufnahmen mit den Pferden. Nebenbei sei erwähnt, dass Regisseur Duguay sich ebenfalls in den Set-Sattel schwang, denn auch er war früher im Reitsport (ehemaliges Mitglied des kanadischen Reit-Nationalteams) tätig.

Der Langatmigkeit zum Trotz ergeben die wunderbaren Landschaftsaufnahmen und die mit viel Leidenschaft inszenierten Reitereignisse eine solide Biographie über Pierre Durand und sein Pferd Jappeloup. 7 von 10 Hufeisen.