EIN REICHER WEICHLING AUF DEM WEG INS KITTCHEN

Ferrell spielt diesmal den schamlos reichen Hedge-Fonds-Manager James King, der zielbewusst seinen einmal eingeschlagenen Weg nach oben fortsetzt: die Hochzeit mit der Tochter des Firmenchefs steht kurz bevor und sein Boss hat ihn auch zum Partner ernannt. Doch ehe er dazu kommt, die Trauringe zu wechseln, erhält er Handschellen angelegt, und ein strenger Richter verknackt ihn wegen Millionenbetrugs für zehn Jahre Haft im härtesten Gefängnis, das Amerika zu bieten hat. King mag zwar ein selbstverliebter Schnösel und jämmerlicher Schwächling sein, der keine Stunde in Saint Quentin aushalten würde, doch eines ist er überraschenderweise auch: unschuldig. Ihm bleiben 30 Tage bis zum Haftantritt, die er nicht optimal nutzt: statt seine Unschuld zu beweisen, engagiert er lieber den schwarzen Autowaschexperten James, der ihn auf das bevorstehende Leben hinter amerikanischen Gardinen optimal vorbereiten soll.

Dummerweise hat der gewählte Coach selbst noch keinen Knast von innen gesehen – weil er auf das versprochene Geld aber angewiesen ist, entwickelt er ein absurdes Trainingsprogramm für seinen nervigen Schützling. Die Luxusvilla des Managers verwandelt sich in ein Hochsicherheitsgefängnis, King muss lernen, einschüchternde Gesichter zu schneiden, sich mit schweren Jungs zu prügeln und homosexuelle Handlungen vorzunehmen. Natürlich scheitert er auf ganzer Linie. Außerdem vertrödelt er noch wertvolle Zeit damit, sich um Aufnahme in eine Rassisten-Gang zu bemühen, gibt aber dann liebend gerne schwarzen Beschützern den Vorzug. Erst in den letzten 24 Stunden seines Lebens in Freiheit macht er sich mit Hilfe seines neuen Trainer-Freundes ernstlich daran, den wahren Übeltäter zu entlarven.

Das Gefälle zwischen Arm und Reich ist gerade in den USA besonders krass, was der Film zumindest im Vorspann durch kontrastierendes Split Screen andeutet. Statt bissiger Sozialkritik bekommen wir dann jedoch ganz andere Themen geboten, weil den Drehbuchautoren zum Stichwort ‚Gefängnis‘ bloß penetrant Penetrierendes eingefallen ist. Hier gibt eben der Originaltitel den Ton an und die halbe Zeit geht mit derben Gefängnis-Sex-Witzen drauf. Der liebste Aufenthaltsort in zeitgemäßen US-Komödien ist und bleibt nun mal der Enddarm. Sollte gerade das vielleicht doch ein soziales Statement sein? Immerhin sind über die 100 Filmminuten auch ein paar gute Gags verteilt, die sich zwangsläufig im Zusammenspiel zweiter Comedy-Profis ergeben müssen und zuletzt darf sich sogar etwas Krimispannung entwickeln, da unser Antiheld, während die Zeit drängt, alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen widerlegen möchte. Für eine wirklich gelungene - und v.a. geistvolle - Filmkomödie reicht diese krude Mischung aus Zoten und Brachialhumor dann aber doch nicht aus.

5 von 10 Beurteilungspunkten ohne Bewährung.

Der Knastcoach

Der Knastcoach

USA 2015

Get Hard

Komödie
08.05.2015
Etan Cohen
Etan Cohen gibt sein Debüt als Spielfilmregisseur, nachdem er sich als erfolgreicher Drehbuchautor zum Beispiel mit "Tropic Thunder" profiliert hat...
6.10

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