Filmkritiken
02.01.2012

EIN WORTFAULER RÄCHER

Eigentlich ist Tom Cruise um mindestens 20 Zentimeter zu klein für seine Rolle als „Jack Reacher“. Keinesfalls reicht er an die 1,95 m Körperlänge heran, die dem einsamen Helden aus der „Reacher“-Buchserie von seinem Schöpfer, dem Briten Lee Child, zugeschrieben wurde. Doch Cruise – klein, aber stramm – übernimmt das Format des wortfaulen Rächers mit der Anspruchslosigkeit des Freizeitstars. Lässig schiebt er seinen nackten Oberkörper ins Bild und irritiert damit die blonde Anwältin solange, bis sie ihn anzischt, er möge endlich sein T-Shirt wieder anziehen.

Ohnehin ist „Jack Reacher“, der Film, trotz seines bestürzend realistischen Anfangs eine halb-heitere Angelegenheit aus dem Geist der Macho-Pulp-Fiction. Ein kleiner, leicht trashiger Film noir, den jemand zu Blockbustergröße aufgeblasen hat. Amüsant, aber auch nervend, spannend, aber auch sehr vorhersehbar. Ein sorgfältig gefilmtes Hochglanzprodukt mit schwerem Kitscheinschlag. Und die Dialoge sind teilweise so pseudo-hart, dass man kichern könnte.

Es beginnt mit einem scheinbar klaren Fall: Ein Sniper positioniert sich in einer Parkgarage und erschießt fünf Passanten. Er wird geschnappt und überführt. Anstelle eines Geständnisses schreibt er nur einen Satz: „Bringt mir Jack Reacher“. Ab dann wird’s kompliziert.

Während sich der gesamte Polizei-Apparat von Pittsburgh daran macht, den geheimnisvollen Reacher auszubaldowern, spaziert dieser entspannt in Gestalt von Tom Cruise zur Tür herein. Reacher, Ex-Militär, kämpft nun als Einzelgänger und kommt der blonden Anwältin zu Hilfe. Die bekommt vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zu. Eine undankbare Rolle für Rosamund Pike, die versucht, dem Ausdruck der Verblüffung mehrere Gesichter zu geben. Auch Regisseur Werner Herzog liefert unglaubliche Auftritte als Obergangster mit Glasauge ab. Mit schwerstem Teutonen-Akzent erzählt er, wie er sich im Gulag die Finger abgekaut (!) hat. Als sich daraufhin einer der Ganoven weigert, den eigenen Daumen abzubeißen, wird er erschossen. Aber es gibt auch formidable Kampfszenen und eine famose Autoverfolgungsjagd. Und gegen Ende, wenn alles schon etwas zäh wird, taucht zur Belohnung Robert Duvall auf. Tom Cruise ist sichtlich erfreut, seinen Partner aus „Tage des Donners“ wieder zu sehen. Und dieser eilt ihm auch gleich zu Hilfe – als Scharfschütze mit Sehbehinderung.

KURIER-Wertung: *** von *****

Tom Cruise als Ex-Ermittler des Militärs, der im Namen der Gerechtigkeit gnadenlos Jagd auf jene macht, die unter dem Deckmantel des Gesetzes Menschen töten.