Filmkritiken
15.07.2015

EINE SELBSTBEWUSSTE FRAU ZWISCHEN DREI MÄNNERN

Dass sich Thomas Vinterberg, der Miterfinder der Dogma 95 Bewegung, an die Verfilmung von Thomas Hardys, im Viktorianischen England spielenden Roman "Am grünen Rand der Welt" gewagt hat, zeugt von Mut.

Denn die kompromisslosen Filme des dänischen Regisseurs – wie etwa "Das Fest", das vom sexuellen Missbrauch eines Vaters an seinen Kindern handelt – haben nichts zu tun mit dem großen Herz-Schmerz-Kino vor der herrlichen Kulisse der südenglischen Landschaft, wie sie in bisherigen Hardy-Verfilmungen geboten wurden. Der britische Regie-Altmeister John Schlesinger hatte den Roman vor 50 Jahren unter dem Titel "Die Herrin von Thornhill" verfilmt – mit der legendären Julie Christie in der Hauptrolle.

Vinterberg hat die schwierige Aufgabe einer zeitgemäßen Neuverfilmung mehr als akzeptabel gemeistert und tappt mit seiner strahlenden Hauptdarstellerin Carey Mulligan nicht in die sich anbietenden Kitsch-Fallen.

Mulligan spielt Bathsheba Everdene, die im ländlichen England des 19. Jahrhunderts das Gut ihres Onkels erbt. Selbstbewusst übernimmt sie die Verwaltung des Hofes und schon machen ihr drei recht unterschiedliche Verehrer Avancen: Der gutmütige Schäfer Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts), der benachbarte Gutsherr William Boldwood (Michael Sheen) und der schneidige Offizier Frank Troy (Tom Sturlridge).

Die impulsive Bathsheba entscheidet sich für Troy, zurück bleibt ein tief verletzter Gabriel. Bald bereut sie ihre Wahl , denn der junge Offizier hatte vor der Ehe mit der Magd Fanny eine Affäre. Als Fanny sein Kind zur Welt bringt, sterben Mutter und Kind bei der Geburt. Der verzweifelte Frank gesteht, dass er Fanny geliebt habe; und Bathsheba erkennt, dass ihre Ehe ein Fehler war.

Der Film schildert das ländliche Leben zur Zeit der Industriellen Revolution anhand der Geschichte einer unabhängigen Frau – damals eine Seltenheit.

Anders als Julie Christie, die sich als Bathsheba mit mädchenhaftem Flirtgehabe der Männergesellschaft fügt, zeigt sich Carey Mulligan selbstbewusst und bringt damit ihre Figur dem heutigen Publikum näher.

Dass neben ihr die Männer schwach wirken, mag ein dramaturgisches Kalkül von Vinterberg gewesen sein, um die Aufmerksamkeit auf seine Hauptfigur zu lenken. Vinterberg erzählt seine Geschichte in opulenten Bildern und buchstäblich leuchtenden Farben. Er verwendet dazu, offenbar als Zugeständnis an die Dogma-Regeln, ausschließlich natürliches Licht, vom mystischen Morgengrauen bis zum purpurnen Sonnenuntergang.

Fans von solide gemachten Literaturverfilmungen und " Downton Abbey"-Freunde werden auf ihre Kosten kommen.