Filmkritiken
10/09/2013

ER LÄUFT ... UND LÄUFT ... UND LÄUFT

1985 verkündete ein Filmtitel „Didi auf vollen Touren“ – das war gelogen. Erst jetzt - mit 77 - läuft Dieter Hallervorden zu seiner Hochform auf und qualifiziert sich locker als siegessicherer Teilnehmer des Berlin Marathons. Das klingt richtig märchenhaft und darum wird die Hauptfigur auch mit folgenden Worten eingeführt: „Liebe Kinder, ihr werdet ihn nicht mehr kennen, aber einst war er eine Legende“. Paul Averhoff siegte 1956 bei der Olympiade in Melbourne und konnte auch sonst etliche erste Plätze belegen, getreu seinem Lebensmotto: „Nie stehen bleiben, es geht immer weiter – am Ende steht der Sieg!“ Ein halbes Jahrhundert später ist er mit seiner kränkelnden Frau im Altersheim gelandet, wo eine verhuschte Betreuerin die Insassen wie Kindergarten-Anwärter behandelt und hauptsächlich Kastanienmännchen basteln lässt. In dieser Umgebung wird Pauls alter Kampfgeist wieder geweckt und er greift zu seinen Laufschuhen, wodurch er das Missfallen der Heimleitung und die Begeisterung der anderen Bewohner erregt.

Hallervorden wollte seit jeher als ernstzunehmender Schauspieler anerkannt werden und konnte dabei auf Filme wie „Das Millionenspiel“ (1970) oder „Der Springteufel“ (1974) verweisen, in denen er nicht als nonstop Nonsens liefernder Spaßvogel zu sehen war. Aber erst in seinem höheren Alter scheint sich tatsächlich herumgesprochen zu haben, dass ihm auch ernsthafte Rollen liegen. „Sein letztes Rennen“ bietet den besten Beweis dafür: als schalkhaft eigensinniger Läufer mit weißem Rauschebart zeigt er souverän, wie man in Würde altern kann.

Mit diesem Hauptdarsteller können hingegen Regie und Drehbuch nicht ganz mithalten: dafür sind die meisten Figuren zu eindimensional geraten und die ziemlich unwahrscheinliche, zugleich aber äußerst vorhersehbare Geschichte wird mit aufpeitschend pathetischer Musik untermalt. Aber schließlich ist Averhoff eine Kämpfernatur nach amerikanischem Vorbild - bei „Rocky“ wird sich ja auch niemand über Subtilitäten der Handlung auslassen. Daher bietet TV-Regisseur Kilian Riedhof in seiner ersten Arbeit fürs Kino einen gut gemeinten aber etwas zu glatten Wohlfühlfilm mit einem unglaublich vitalen Dieter Hallervorden, dem das Slapstick-Training der früheren Didi-Zeiten sichtlich eine Topform verpasst hat.

8 von 10 schiefgelaufenen Sportschuhen

Ein ehemaliger Marathonläufer beginnt mit weit über 70 im Altersheim wieder zu trainieren, um beim Berlin Marathon mitlaufen zu können.