Entschleunigter Hotelalltag mit Caine und Keitel

Ewige Jugend© Filmladen Filmverleih
Ewige Jugend

In „Youth“ treffen wir an diesem Schauplatz ein Jahrhundert später keine Lungenkranken mehr, sondern zwei alte Künstler, die seit 60 Jahren miteinander befreundet sind und nun gemeinsam einige Tage in dem Schweizer Wellness-Tempel verbringen. Fred Ballinger (Michael Caine) ist ein gefeierter Komponist und Dirigent, der über den Tod seiner Frau nicht hinwegkommt und öffentlichen Auftritten entsagt hat – nicht einmal ein ausdrücklicher Wunsch der Queen kann ihn umstimmen.

Harvey Keitel spielt hingegen einen nach wie vor äußerst aktiven Filmregisseur, der in dieser Luxusbleibe gerade sein finales Werk ausarbeitet; nur das Finden eines passenden Endes bereitet ihm Schwierigkeiten, und auch sein fünfköpfiges Begleitteam von Drehbuchautoren bleibt ziemlich ratlos. Abgesehen von Rachel Weisz als Caines Filmtochter, die eine wichtige Nebenrolle spielt, haben wir es hier mit einem durchaus männerdominierten Film zu tun, weil eben alles auf die beiden großartigen Hauptdarsteller ausgerichtet bleibt; aber im letzten Drittel absolviert dann immerhin noch die wundervolle Jane Fonda einen eigenwilligen Auftritt.

Mit feinem Humor findet Sorrentino immer wieder perfekte Bilder für seine zentralen Themen und folgt dem entschleunigten Hotelalltag der alten Herren: sie führen mit Vorliebe Gespräche über Harnverhaltung oder überbieten sich im Aufzählen ihrer nachlassenden Kräfte, während die anderen Gäste seltsame Wellness-Rituale praktizieren und zum Beispiel geriatrische Wasserballette veranstalten. Obendrein lässt sich der Regisseur – in bester Fellini-Tradition - die Gelegenheit nicht entgehen, etliche andere (meist skurrile) Figuren vorzuführen, denn in dem noblen Schweizer Domizil verkehrt natürlich auch ein internationales Publikum: von einem buddhistischen Mönch über einen dickleibigen Mann, der Diego Maradona sein könnte, bis zur Miss Universum steigen alle dort ab - und in einer surrealen Szene nimmt sogar ein uniformierter Mann mit komischem Bärtchen im Speisesaal Platz.

In „Youth“ kann die Zeit schon mal verrücktspielen und die Uhren scheinen anders zu gehen - man muss sich eben auf ein langsameres Tempo einstellen, das dem hohen Alter angemessen ist. Diese Gemächlichkeit findet auch darin einen Ausdruck, dass der Filmtitel erst nach 15 Minuten auf der Leinwand erscheint.

8 von 10 abgestorbenen grauen Hirnzellen.

Ewige Jugend

Ewige Jugend

I/F/CH/GB 2015

Youth

Tragikomödie
27.11.2015
Paolo Sorrentino
Mit fantastisch surrealen Bildern erzählt Paolo Sorrentino vom Lauf der Zeit, von Freundschaft, Liebe, Generationskonflikten und davon, wie das Alter die Sicht auf die Dinge verändert und Dimensionen sprengen kann.
7.40

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