Filmkritiken
26.06.2013

FAKE-DOKU AUF KUBANISCH

Nicht alles ist eine Lüge: Der Eiskasten ist wirklich kaputt, und daher müssen alle zu Hause warmes Wasser trinken. Aber der Rest – der verbrannte Vater und die brennende Mutter, die sich aus dem Fenster stürzt: alles erfunden.

Ana ist nämlich Schauspielerin. Keine besonders erfolgreiche, aber immerhin. Und als Schauspielerin kann sie natürlich auch eine Prostituierte spielen, wenn es sein muss. Ana will nämlich unbedingt gegen gutes Geld (für einen neuen Eiskasten) in einer österreichischen Doku auftreten: „Whore’s Story“ soll die Arbeit heißen – und von Sexarbeiterinnen aus aller Welt berichten.

Der Regisseur heißt aber nicht Michael Glawogger, der an einer Fortsetzung von „Whore’s Glory“ arbeitet, sondern Michael Ostrowski. Ostrowski in seiner Rolle als Doku-Filmer macht seine Sache ungewohnt ernsthaft. Die Komik überlässt er den kubanischen Kolleginnen, die in ihrer Fake-Doku als Prostituierte einen herausfordernden Alltag meistern.

Der kubanische Regisseur Daniel Díaz Torres setzt auf milde Kuba-Klischee-Komik (andauernde Stromausfälle etc.), gespickt mit einem Hauch von Sozialrealismus – in der allerersten Kino-Koproduktion zwischen Österreich und Kuba.