Filmabend in Erinnerung an Gerhard Benedikt Friedl

 
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Anfang Juli 2009 ist der Filmemacher Gerhard Friedl überraschend im Alter von 42 Jahren verstorben.

Wie kaum ein anderer verstand es Friedl, über Genregrenzen hinweg, politische Zusammenhänge und Hintergründe auf subtile Weise offen zu legen und die Grenzen filmischer Erzählung auszuloten. Den Anfang machte 1998 der Kurzdokumentarfilm "Knittelfeld - Stadt ohne Geschichte", in welchem er die von Gewalt und Verbrechen durchzogene Biografie einer Familie in einer steirischen Bezirksstadt auf die Gegenwart ihres Stadtbildes prallen lässt. Für sein Filmdebüt erhielt Friedl 1997 den Förderpreis der deutschen Filmkritik als Bester deutscher Dokumentarfilm. Auch in seinem vieldiskutierten Langfilmdebüt "Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?" bestimmt eine undurchdringliche Mischung aus fiktionalem und dokumentarischem Gehalt die Form der Erzählung. Im Rahmen der Diagonale 2005 mit dem Diagonale-Preis für Innovatives Kino ausgezeichnet, unternimmt der Filmessay den Versuch, komplexe Verkettungen innerhalb des deutschen Großkapitals sichtbar zu machen und eröffnet ungeahnte Assoziationsräume zwischen Bildebene und gesprochenem Kommentar. Eine ähnlich hypnotische Wirkung auf Kritik und Publikum erzeugt auch Friedls zuletzt gemeinsam mit Laura Horelli verwirklichte Videoarbeit SHEDDING DETAILS, die in einem Interview-Setting die Umstände der Entlassung einer osteuropäischen Reinigungskraft in einem Hotel in Las Vegas beleuchtet.

Geboren 1967 in Bad Aussee, studierte Gerhard Friedl zunächst in Wien Philosophie und an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) Regie. Friedl arbeitete als Kameramann, Cutter, Kurator von Filmschauen, Film- und Fotokritiker sowie als Regisseur für Fernsehen, Werbung und Industriefilm. Zeitweise war er Dozent für zeitgenössischen Dokumentarfilm an der HFF München, von Oktober bis Dezember 2007 war er Stipendiat der renommierten deutschen Villa Aurora. Zuletzt lebte er in Berlin und Marseille. Mit seinen Filmarbeiten war er auf der Diagonale und auf zahlreichen internationalen Filmfestivals vertreten.

PROGRAMM:

18.30 Uhr Knittelfeld - Stadt ohne Geschichte, DE/AT 1997, 35 Minuten

19.30 Uhr Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen, DE/AT 2004, 73 Minuten

21.00 Uhr SHEDDING DETAILS (zusammen mit Laura Horelli), US/DE 2009, 25 Minuten

Kurzeinführungen jeweils vor den Filmscreenings

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