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Filmkritiken
05/22/2019

"Aladdin": Guy Ritchie lässt den Geist aus der Lampe

Guy Ritchie erweist sich als guter orientalischer Märchenonkel und inszeniert die Realversion des Disney-Klassikers absolut beschwingt.

Will Smith ist blau und singt. Wer sich jetzt auf ein Alkoholiker-Musical eingestellt hat, wird enttäuscht sein. So etwas würde uns Disney nicht mal am 1. April vorzuführen wagen. Stattdessen haben die Produzenten im Zeichen der Maus wieder einen ihrer klassischen Animations-Titel in einen Realfilm umgewandelt. Regie führt bei diesem Ausflug in „Tausendundeine Nacht“ überraschenderweise Guy Ritchie, in dessen Werkverzeichnis bisher noch kein Kinderfilm enthalten war.

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Nach diesem Film ist jedoch klar, dass sich der Brite nicht bloß im Londoner Verbrechermilieu auskennt, sondern auch einen ausgezeichneten orientalischen Märchenonkel abgibt: er erzählt die Geschichte kurzweilig, witzig und unter großer Prachtentfaltung. Die Gesangseinlagen mit beeindruckend choreografierten Tanzszenen lassen sogar Erinnerungen an Hollywoods große Musicalzeit aufkommen.  

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Eintritt in die orientalische Wunderwelt

An der Story selbst haben die Autoren John August und Ritchie nicht viel geändert: der Straßenjunge und Langfinger Aladdin (Mena Massoud aus der Amazon-Produktion „Jack Ryan“) lernt Prinzessin Jasmin (Naomi Scott) kennen, als sie inkognito durch ihre Residenz streift und weil er sie zunächst für eine Hofdame hält, verschafft er sich nachts Einlass in den Sultanspalast. Doch die entstehende Romanze wird durch den bösen Ratgeber Dschafar (Marwan Kenzari) unterbunden, denn der braucht den flinken Aladdin für einen gefährlichen Einsatz in der Schatzhöhle, wo die Wunderlampe lagert.  Und so nimmt alles den bekannten Verlauf: Aladdin rubbelt bald an der Lampe und ein gigantischer blauer Will Smith erscheint, um ihm drei Wünsche zu erfüllen. Wobei in diesem Dschinni ein echter Entertainer steckt, denn er legt mit überraschender Vielseitigkeit gleich eine erstklassige Showeinlage hin. (Verständlich: nach 1000jähriger Gefangenschaft würde schließlich mit jedem das Temperament durchgehen.)

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Holly- trifft aus Bollywood

Entsprechend unterhaltsam geht es weiter. Eine besonders gelungene Fusion zwischen Holly- und Bollywood ist zum Beispiel der Moment, wenn Aladdin, an den Hof zurückgekehrt, um als falscher Prinz Eindruck zu schinden, von der Prinzessin zum Tanz aufgefordert wird. Der Geist lässt den Jungen als Supertänzer erscheinen, obwohl Aladdin eigentlich nur wie eine menschliche Marionette Dschinnis Handbewegungen gehorcht.  Prinzessin Jasmin wird in dieser Version übrigens noch stärker als selbstbewusste Frau dargestellt, die sich den Mund nicht verbieten lässt und das auch lautstark durch die Neukomposition „Speechless“ zum Ausdruck bringt.

 

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Tiere und ein fliegender Teppich

Nicht nur die Menschen sind hier erwähnenswerte, denn jede der Hauptfiguren wird durch einen tierischen Freund unterstützt: Aladdin hat sein diebisches Äffchen, die Prinzessin den einschüchternden Königstiger und der schurkische Dschafar kann sich auf seinen verschlagenen Papagei verlassen. Auch wilde Luftreisen auf dem fliegenden Teppich stehen selbstverständlich auf dem Programm, weshalb es kein Wunder ist, dass die Laufzeit von 128 Minuten wie im Flug vergeht.

4 von 5 orientalischen LED-Lampen

Realverfilmung des Zeichentrick-Klassikers von Disney von Regisseur Guy Ritchie.