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© The Walt Disney Company

Filmkritik
11/20/2019

"Die Eiskönigin 2": Geheimnisse der Vergangenheit im magischen Nebelwald

Die Fortsetzung des Animationshits ist wieder sehr beschwingt, hat aber zugleich eine reichlich unlogische Story zu bieten.

von Franco Schedl

Ich vermute, 2013 muss es zu einem beispiellosen Aufschwung der Frozen Joghurt-Industrie gekommen sein, denn damals erschien „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ mit dem Originaltitel „Frozen“. Die Geschichte um das Schwesternpaar Elsa und Anna wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet (einen für den besten Animationsfilm, den anderen für den besten Filmsong) und das Werk entwickelte sich dank astronomischer Einspielergebnisse zum weltweit bisher erfolgreichsten Animationsfilm überhaupt.

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Lockruf in die Ferne

Daher konnte ein zweiter Teil nicht ausbleiben, und das Regieduo Chris Buk/Jennifer Lee versetzt uns erneut in das nordische Königreich Arendelle, wo wir alle alten Bekannten wiedertreffen, sogar solche, die eigentlich gar nicht mehr am Leben sein dürften, wie Elsas und Annas Eltern. „Frozen 2“ beginnt nämlich mit einer Rückblende in die Kindheit der Schwestern: der Vater erzählt ihnen eine Gutenacht-Geschichte von einem verzauberten Wald, den er einst in seiner eigenen Jugend betreten hat, und die Mutter singt sie dann mit einem Lied von einem wundertätigen Fluss in den Schlaf. Damit sind die wesentlichen Themen der aktuellen Filmstory bereits umrissen, denn Jahrzehnte später wird Elsa von einer geheimnisvollen Singstimme in die Ferne gelockt – es zieht sie hin nach eben jenem von magischem Nebel umgebenen Wald. Daher bricht sie in Begleitung ihrer Schwester, deren Freund Kristoff, dem plapperhaften Schneemann Olaf und Rentier Sven in die Fremde auf und muss bald erkennen, dass sich dort ein Geheimnis über ihre eigene Herkunft verbirgt. Denn diese Fortsetzung gewährt uns verblüffende Aufschlüsse über Annas und Elsas Familienverhältnisse und wir werden uns wohl ziemlich wundern (unter anderem auch darum, weil die Story diesmal doch reichlich konfus ausgefallen ist).

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Jeder hat seine Probleme

Am Verhältnis der Schwestern zueinander hat sich nichts geändert und so ist wieder ihre Liebe und Opferbereitschaft gefragt, um lebendig aus diesem Abenteuer hervorzugehen. Dabei entwickelt sich Elsa immer mehr zu einer Superheldin und vollbringt Taten, die man eher Captain Marvel oder Wonder Woman zutrauen würde. Kristoff hat hingegen andere Sorgen: er möchte seiner geliebten Anna endlich einen Heiratsantrag machen, kommt aber nie richtig dazu, obwohl sein Verlobungsring bereits in der Brusttasche steckt – entweder sind die Umstände unpassend, oder er vermasselt alles durch ungeschickte Wortwahl. Für weitere komische Zwischenspiele sorgt vor allem Schneemann Olaf, etwa wenn er im Alleingang eine Kurzfassung des ersten Teils liefert, indem er alle wichtigen Szenen nachspielt.

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Alle müssen singen

„Die Eiskönigin“ wirkt wie die Animationsversion von „Maleficent“: obwohl Elsa keine Figur ist, vor der sich die Mitmenschen fürchten müssten, verfügt auch sie über spezielle Kräfte und herrscht über ein Reich der Natur, bevölkert vor wunderbaren Wesen wie Steinriesen, glitzernden Eispferden oder Elementargeistern (besonders ankommen dürfte beim jungen Kinopublikum ein lieber Feuersalamander, der tatsächlich brennende Spuren hinter sich zurücklässt). Die dunkle Fee Maleficent hatte allerdings keine Lust auf Gesang, was hier völlig undenkbar wäre, denn nach ungefähr jedem zweiten gesprochenen Satz stimmen die Figuren einen neuen Song an. Das ist mitunter so übertrieben eingesetzt, dass es schon störend wirkt, weil alles wie auf eine große broadwaytaugliche Bühnenshow zurechtgetrimmt wurde, bei der Elsa durch ihre Künste für entsprechend eisfunkensprühende Effekte sorgt. Vielleicht gastiert ja im kommenden Winter dann eine „Holiday on Ice“-Version von „Frozen“ bei uns in der Stadthalle.

3 von 5 angebissenen Karottennasen für Olaf