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Filmkritiken
01/22/2019

"Die unglaublichen Abenteuer von Bella": Weitwanderung auf Hundepfoten

Eine redegewandte Hündin tritt eine lange Heimreise an, weil sie von ihrem Besitzer getrennt wurde.

Das Phänomen der sprechenden Hunde tritt häufiger auf, als man denkt – und diese begabten Wuffis haben alle denselben Anfangsbuchstaben.  Im Vorjahr hat uns „Bailey – ein Freund fürs Leben“ über seine Wiedergeburtserfahrungen vollgelabert, heuer ist es seine Artgenossin Bella, die uns etwas erzählt. Immerhin bleibt diesmal eine esoterische Thematik ausgeklammert und wir bekommen bloß eine Abenteuerreise geboten.

 

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Ein tierhassender Deutscher

Die Hündin hat bereits eine ungewöhnliche Kindheit verlebt: in einem verfallenden Gebäude wurde sie von einer Katze großgezogen, nachdem Menschen ihre echte Mutter eingefangen hatten. Auf diesem öden Gelände trifft sie auch ihr künftiges Herrl, den jungen Arzt Lucas, der gleich nebenan wohnt. Damit könnte der Film schon wieder zu Ende sein, denn alle sind glücklich.  Doch da gibt es noch den nachtragenden Besitzer des Trümmergrundstücks (ausgerechnet ein Deutscher namens Gunter Beckenbauer). Der Tierhasser macht mit einem unsympathischen Hundefänger gemeinsame Sache und dabei kommt ihnen ein reichlich absurdes Gesetz zugute, das Hundehalter in Denver schikaniert. Bis eine Regelung gefunden ist, soll Bella bei Verwandten von Lucas Freundin in New Mexiko untergebracht werden.

 

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Missverständliche Hundekommunikation

Dummerweise spricht Bella zwar perfekt unsere Sprache (im Original gehört ihre Stimme Bryce Dallas Howard), versteht aber umgekehrt nicht wirklich viel von dem, was die Menschen zu ihr sagen. Ansonsten wären nämlich etliche Missverständnisse vermeidbar gewesen. Da die Hündin nur Kommandoworte wie "Sit" oder "Go Home" begreift, fühlt sie sich von einer Bemerkung der neuen Betreuer dazu aufgefordert, auszureißen, und von New Mexiko in ihre alte - rund 600km entfernte Heimat - aufzubrechen. Bella läuft also davon, während ihr geliebter Lucas gerade mit dem Auto auf dem Weg zu ihr ist.  Ihre Wege kreuzen sich bloß um wenige Sekunden zeitversetzt; und schon wieder haben wir die Chance auf ein rascheres Ende verpasst.

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Viele Abenteuer auf dem langen Rückweg

Ihr langer Rückweg, der sich schließlich über zwei Jahre hinziehen wird, verschafft ihr die Bekanntschaft von etlichen menschlichen und tierischen Gefährten. Außerdem gerät Bella fast unter eine Lawine oder wird von Autos überfahren, entwickelt besondere Künste im Beschaffen von Nahrung, verhilft einem Obdachlosen zu einer unverhofften Einnahmequelle, nimmt Ersatzmutterstelle bei einer Wildkatze an und wird immer wieder von einem Rudel Wölfe verfolgt. Besonders diese Tiere wirken sehr unrealistisch, weil sie allzu offensichtlich aus dem Computer stammen.

Natürlich könnte man gerade bei einer solchen Geschichte etliche Schwachpunkte aufzählen, denn sie erscheint streckenweise reichlich naiv und ziemlich zusammenkonstruiert.  Andererseits muss man zugeben, dass dieser eloquente Vierbeiner mit seinem Heimfinden als Überlebenstraining sowohl kurzweilige als auch spannende Familienunterhaltung bietet

Im nächsten Jahr ist dann aber wieder ein männliches Tier als Hauptfigur fällig. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es "Burton, der Hund, der aus der Kälte kam", über einen Bernhardiner zum Aufspüren von Lawinenopfern.

3 von 5 Wanderhundeabzeichen