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Filmkritik
09/17/2019

"Downton Abbey": Serienfinale im Kinoformat

Nach vierjähriger Pause erlebt die Erfolgsserie nun eine zweistündige Fortsetzung als Kinofilm.

von Franco Schedl

Ganz schön hohe Voraussetzungen stellt dieser Kinofilm an uns: muss man wirklich alle 52 Folgen der Erfolgsserie gesehen haben, um sich nun auf der großen Leinwand zurechtzufinden? Wer die Serie nicht kennt, hätte immerhin fast 3000 Seh-Minuten nachzuholen – und bei solchen Anforderungen könnten selbst die Augen der unbeugsamsten Binge-Watcher schließlich versagen.

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König George V. kündigt sich an

Schaden kann das Vorwissen natürlich nicht, aber man findet sich auch als Neuling sowohl in den adeligen Familienverhältnissen als auch im Dienstbotentrakt des Anwesens ziemlich gut zurecht.  Die Handlung der Serie endete 2015 mit einer der traditionellen Weihnachtsfolgen am 1.1.1926. Rund 18 Monate später nimmt der Film sie wieder auf: wir befinden uns also Mitte 1927 und ein großes Ereignis steht den Bewohnern von Downton Abbey bevor. Aber wenn sie schon den Untergang der Titanic und einen Weltkrieg unbeschadet hinter sich gebracht haben, werde sie ja wohl auch noch den Besuch des britischen Königs Georg V. überstehen.  Die Probleme ergeben sich zunächst aber auf einem etwas niedrigeren Ebene: Weil als Einstimmung auf den hohen Gast die royale Dienerschaft angereist kommt, brechen bald Kompetenzstreitigkeiten zwischen alteingesessenen und neuen Butlern, Köchen und Stubenmädchen aus. 

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Maggie Smith lästert wieder

Fast alle Hauptdarsteller aus der sechsten Staffel kehren auch im Kinofilm zurück – verzichten müssen wir zum Beispiel auf die von Lily James gespielte Lady Rose, weil diese Figur ja offiziell nach New York übersiedelt ist. Umso präsenter ist freilich Maggie Smith als offenbar unsterbliche Dowager Countess of Grantham (wenn die Serienchronologie tatsächlich stimmt, müsste sie ja bereits ein mehr als biblisches Alter jenseits der 100 erreicht haben). Sie liefert wieder bissig-komische Bemerkungen und tritt diesmal in einen spitzzüngigen Wettstreit mit ihre Cousine Lady Bagshaw (Imelda Staunton).

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Keine Bevorzugungen

Das Besondere an den von Serienschöpfer Julian Fellows verfassten Drehbüchern ist seit jeher ein genauer Blick für historische Details, das Vermeiden von gängigen Klischees und das Nachvollziehbarwerden von sozialen Umbrüchen. Fellows lässt diese Gestalten nämlich so authentisch wie möglich auftreten und widmet seine Aufmerksamkeit in gleicher Weise den Adeligen und dem Dienstpersonal – hier wird niemand bevorzugt, sondern jeder gleich wichtig genommen. Obwohl uns die dargestellten Konflikte so fern wie möglich liegen, weil sie unübersehbar einer anderen Zeit und einer anderen Gesellschaft angehören, nehmen wir dank Fellows Begabung echten Anteil daran. Ganz weltabgehoben ist das Leben auf Downton Abbey sowieso nie: da heckt die aufgebrachte Dienerschaft im Weinkeller eine kleine Revolte aus, Homosexualität spielt ebenfalls eine Rolle, und ein irischer Attentäter richtet sogar eine Feuerwaffe auf den König.

Die Serie war seit jeher ein Liebling der Kritiker (deren einhelliger Zuspruch hat ihr sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde verschafft), und auch der Kinofilm kann eigentlich nur positive Reaktionen hervorrufen – wie zum Beispiel bei mir; daher vergebe ich  4 von 5 royalen Bartspitzen.

Die originalen Hauptdarsteller der gefeierten Fernsehserie kehren auf die große Leinwand zurück.