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Filmkritik
03/02/2020

„Elfie Semotan: Photographer“ – Künstlerin im Porträt

Die renommierte Fotografin gibt in Joerg Burgers Dokumentarfilm einen Einblick in ihre Arbeit.

von Oezguer Anil

Elfie Semotan gehört zu den wichtigsten österreichischen Künstlerinnen unserer Zeit. Die gebürtige Welserin begann ihre Karriere als Model im Paris der sechziger Jahre, aber wechselte schließlich schon bald auf ihren Platz hinter die Kamera. In den siebziger Jahren gestaltete sie Werbekampagnen und Mitte der 80er Jahre feierte sie ihren internationalen Durchbruch mit Arbeiten für Vogue, Elle, Harper’s Bazaar und dem New Yorker. All das spart Joerg Burger in seiner Doku über die inzwischen 78jährige Semotan jedoch aus.

Dem Filmemacher geht es hier nicht vordergründig um die Biografie der Fotografin sondern um ihre Arbeit. Im Rahmen der Vorbereitungen für eine Ausstellung in Berlin kommen schon fast vergessene Fotos zum Vorschein, die alle ihre eigenen Geschichten erzählen. In ihrem Werk lotet Semotan die Grenzen der Modefotografie aus und versucht statt der reinen Bebilderung von Produkten eigenständige Kunstwerke zu schaffen. Sie arbeitet mit historischen Referenzen, die sie stets verfremdet und in einen neuen Kontext stellt. In ihren Künstlerporträts  betrachtet sie berühmte Persönlichkeiten wie Claudia Schiffer, Naomi Campbell und Willem Dafoe mit ihrem einzigartigen Blick, dessen oberste Priorität nicht die Schönheit der Gesichter ist.

Wer sich eine Künstlerbiografie mit Kindheitsfotos, klassischer Musik und Erzählstimme erwartet, wird von „Elfie Semotan: Photographer“ enttäuscht sein. In nüchternen Bildern fängt Joerg Burger den Alltag der Fotografin ein und gibt einem dabei Zeit, die Bilder der Ausnahmekünstlerin zu betrachten.