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© Netflix

Filmkritik
09/23/2020

"Enola Holmes" auf Netflix: Sherlocks junge Schwester löst den Fall

Nach dem ersten Band der Jugendbuchreihe von Nancy Springer legt der "Fleabag"-Regisseur Bradbeer ein unterhaltsames Coming-of-Age-Abenteuer mit Millie Bobby Brown vor.

von Franco Schedl

Netflix verhilft uns mit dieser Produktion zu neuen Erkenntnissen über die Familienverhältnisse von Sherlock Holmes. Das Vorhandensein eines älteren Bruders namens Mycroft war uns ja bereits bekannt, doch nicht einmal Sir Arthur Conan Doyle hätte gewusst, dass da im Hintergrund auch noch eine halbwüchsige Schwester vorhanden ist.

 

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Klug, aber weltfremd

Diese Enola – der Name liest sich verkehrtherum gleich viel verständlicher – wurde ausschließlich von ihrer exzentrischen und sehr feministisch eingestellten Mutter erzogen (eine ideale Rolle für Helena Bonham Carter somit) und hat sich gleichermaßen geistig und körperlich ganz zu einer weiblichen Version ihres berühmten Bruders entwickelt. Bloß gab es bisher noch keine Gelegenheit für sie, ihre Kenntnisse auch anzuwenden, doch als die Mutter eines Tages unverhofft verschwunden ist, bricht das ebenso kluge wie weltfremde 16-jährige Mädchen alleine nach London auf, um Nachforschungen über den Verbleib der eigenwilligen Mama anzustellen. Dabei gerät sie in ein explosives Abenteuer und liefert familientaugliche Unterhaltung. Einige Rätselaufgaben sind zu lösen, ein paar Kämpfe zu absolvieren, immer neue Verkleidungen anzulegen und trotz allem bleibt Enola auch noch Zeit, sich erstmals zu verlieben.

 

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Fleabag-Anklänge

Obwohl Regisseur Harry Bradbeer bisher ausschließlich für Serienproduktionen tätig war, bringt er zwei gute Voraussetzungen für seine  neue Aufgabe mit: einerseits hat er mit „Dickensian“ schon einmal eine Geschichte mit viel Zeitkolorit aus dem London des 19. Jahrhunderts erzählt; andererseits bewies er als Verantwortlicher für die Kultserie „Fleabag“ Talent bei komödiantischem Timing und übernahm von dort gleich einige Stilmittel für die aktuelle Netflix-Produktion. Tatsächlich erinnert die junge Millie Bobby Brown („Stranger Things“) als Wildfang Enola mitunter stark an die altere Kollegin Phoebe Waller-Bridge in der Fleabag-Rolle: so durchbrechen zum Beispiel beide Frauen immer wieder die sogenannte vierte Wand, um sich direkt an die Zuschauer zu wenden.

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Frauenrecht statt Sherlock

Als Sherlock ist Henry Cavill diesmal ein Superman ganz anderer Art, bleibt aber relativ zurückgenommen und muss sich mit einer Nebenrolle begnügen. Hier sind eindeutig weibliche Kräfte gefragt. Tatsächlich bringt uns der Film die Welt der Suffragetten näher; jener frühen Frauenrechtlerinnen, die mit allen nur denkbaren Mitteln – zu denen auch Gewaltanwendung gehörte – für die Gleichstellung der Geschlechter und besonders das Frauenwahlrecht kämpften. Einmal betreten wir an Enolas Seite sogar eine Jiu Jitsu-Schule für Frauen. Die altmodische Benimmschule hingegen, in die Bruder Mycroft (Sam Claflin) seine Schwester stecken möchte, hat eindeutig ausgedient.

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So greift der Film nach einer Vorlage der amerikanischen Jugendbuchautorin Nancy Springer immer wieder Themen auf, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Luft lagen und vermischt sie zu einer netten Coming of Age-Story mit einigem Unterhaltungswert. Millie Bobby Browns erfrischend direktes Spiel tut ein Übriges, um „Enola Holmes“ als Mädchen erscheinen zu lassen, mit dem man gerne zwei abenteuerliche Stunden verbringt.

3 ½ von 5 Blumengrüßen mit versteckten Botschaften

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