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Filmkritik
05/27/2019

„Kleine Germanen“: Aufwachsen am rechten Rand

Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger kombinieren in ihrem neuesten Werk Animations- und Dokumentarfilm.

von Oezguer Anil

Die österreichisch-deutsche Koproduktion erzählt aus unterschiedlichsten Perspektiven über das Aufwachsen in rechtsextremen Familien. Der Dokumentarfilm setzt sich aus drei Ebenen zusammen: einem fiktiven Handlungsstrang, der als Animationsfilm die Lebensgeschichte von Elsa erzählt, Interviews mit Rechtsextremen und Kommentaren von Experten. Die Vermischung dieser Elemente führt leider dazu, dass man sehr vorsichtig bei der Beurteilung des Wahrheitsgehaltes des Filmes sein muss.

Kindisch

Die Geschichte von Elsa erstreckt sich von den siebziger Jahren bis in die Gegenwart. Die Annäherung des kleinen Mädchens an den Rechtsextremismus wird in animierten Bildern dargestellt, die trotz ihrer bunten Farben in eine schwarz-weiße Darstellung kippen. Die gezeigten Konflikte sind allzu offensichtlich aufgearbeitet, so dass die Handlung mehr einer Kindergeschichte über einen bösen Nazi-Vater gleicht als sich ernsthaft mit den komplexen Thematiken häusliche Gewalt, Rechtsextremismus und Kindererziehung zu befassen.

Dialog mit Rechten

Die menschliche Ambivalenz, die in Elsas Handlungsstrang fehlt, kommt in den Interviews mit Rechtsextremen und Aussteigern zur Geltung. In „Kleine Germanen“ wird nicht nur über sondern auch mit Radikalen, die sich jedoch nicht als solche identifizieren würden, gesprochen. Neben dem Österreicher Martin Sellner kommen auch ehemalige Mitglieder der deutschen NPD zu Wort. Allen geht es dabei um die Wahrung der eigenen und oft höherwertigen Identität, die entlarvenderweise auf den Verzehr von Schweinefleisch reduziert wird.

Das rechte Lager

Im Großen und Ganzen geht „Kleine Germanen“ zu naiv an hochkomplexe Themen heran, weshalb die Conclusio am Ende zu kurz greift. Leider wird das Augenmerk zu sehr auf das altrechte Lager gelegt und neue rechte Tendenzen außer Acht gelassen. Die Glatze wurde durch Trendfrisuren ersetzt und die Dorfversammlung in Onlinechats verschoben. Die Vertreter dieser sich immer mehr in der Mitte unserer Gesellschaft ausbreitenden Ideologie werden sich problemlos von den erhobenen Vorwürfen distanzieren können.

Keine Überraschungen

Kleine Germanen“ wird nicht den Abfall Rechtsextremer von ihrer Ideologie herbeiführen und hält auch keine großen Erkenntnisse für ein weltoffenes Publikum bereit. Wer sich jedoch für den Einfluss von extremen politischen Gesinnungen auf die Kindererziehung interessiert, dürfte hier einen spannenden Kinoabend erleben.

Der Dokumentarfilm von Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger kombiniert Animations- und Dokumentarfilm, um die Geschichten von Kindern zu erzählen, die in rechtsextremen Familien aufgewachsen sind.