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Filmkritik
07/29/2020

"Master Cheng in Pohjanjoki": Chinesische Küche in Lappland

Bei diesem finnischen Feel-Good-Movie läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

von Oezguer Anil

Der alleinerziehende Vater Cheng (Pak Hon Chu) kommt mit seinem neunjährigen Sohn Nunjo (Lucas Hsuan) ins finnische Dorf Pohjanjoki. Das abgelegene Kaff hat zwar rein gar nichts mit seiner chinesischen Heimat gemeinsam, aber der sonderbare Tourist ist auf einer Mission. Er betritt die Kneipe von Sirkka (Anna-Maija Tuokko) und fragt all ihre Gäste unablässig nach Fongtron. Ob dies nun ein Ort, ein Mensch oder gar ein Verbrecher sei, kann niemand so genau einschätzen. Als die fürsorgliche Restaurantbesitzerin Vater und Sohn ohne Unterkunft vorfindet, nimmt sie die beiden bei sich auf.

Retter in Not

Als eine Gruppe chinesischer Touristen in Sirkkas Gasthaus auftaucht, riecht sie das große Geschäft, doch beim Anblick des kümmerlichen Buffets  droht die Kundschaft sofort wieder das Lokal zu verlassen. Mit dem Kartoffelpüree und der Wurstsoße konnte Cheng auch nicht besonders viel anfangen und um Sirkka vor einer Blamage zu retten bindet er sich die Küchenschürze um. Zum Staunen der Geschäftsführerin stellt sich der unscheinbare Gast als ein Profikoch heraus. In Rekordgeschwindigkeit bereitet er Nudeln, Curry und Sushi zu, die dem krisengebeutelten Lokal den besten Umsatz seit Jahren beschert. Die Kochkünste von Cheng machen das Restaurant schnell zu einem beliebten Touristenziel, womit er sich nicht nur Freunde macht und da gabs ja noch diesen Fongtron...

Utopie

Master Cheng in Pohjanjoki“ besticht durch seinen trockenen Humor und seinen idealistischen Blick auf die Welt. In dieser skurrilen Komödie herrscht bedingungslose Solidarität, und gutes Essen hat die Kraft, sogar eine Krebserkrankung zu heilen. Regie und Drehbuch stammen von Mika Kaurismäki, dessen jüngerer Bruder Aki es mit seinem lakonischen Humor, zu internationalem Ruhm gebracht hat. Die Geschichte rund um eine heruntergekommene Kneipe hat auch autobiographische Züge, denn die Kaurismäkis waren knapp 20 Jahre lang selber Besitzer einer Bar. Das Geschäft lief zwar blendend, aber wegen einer Räumungsklage mussten sie ihren Laden mit dem klingenden Namen Corona-Bar letzten Sommer schließen. Beide Brüder beschäftigen sich in ihren Filmen mit den Problemen der gesellschaftlich Ausgestoßenen und entwerfen in ihren Filmen eine Utopie, die im Spannungsverhältnis zur Realität steht. Sie zeigen nicht die Welt wie sie ist, sondern wie sie sein könnte.

Lakonisch

Wer eine leichte Komödie mit einer klaren Message sucht, der ist hier genau richtig. Auch wenn „Master Cheng in Pohjanjoki“ das ein oder andere Mal in Klischees abdriftet, bleibt Kaurismäki seinem lakonischen Stil treu. Ein besonderes Highlight sind die Kochszenen, bei denen einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Die Speisen werden köstlich in Szene gesetzt, so dass man sie beinahe riechen kann.

Master Cheng in Pohjanjoki“ ist eine publikumsfreundliche Culture-Clash Komödie, die unbedingt in der Originalfassung gesehen werden sollte.